Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
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ro lieber das Kunstgefühl.

nicht: so wäre es -er schönste Markebrunner, den ichjemals getrunken have; ich prüfe, wähle und entscheidehier besser, als der Präsident von asten gelehrten Aka-demien in Europa, und will denjenigen erwarten, dermeinen Geschmack tadeln wird. So will ich mir injeder Art des Rheinweins nicht allein den größtenGrad der Güte, sondern auch, weil sie doch von Kunst-Idealen sprechen, das möglichst vollkommene Wein-Ideal in Riedesheimer, Hochheimer, Laubenheimer, undkurz in allen unsern Weinen denken; ich will so gut,als wenn ich sie würklich getrunken hätte, die Weineschmecken, die aus unsern Trauben vom Cap an bisin Wesiphalen gezogen werden können; und wenn dasnicht Kunstgefühl ist, so weiß ich nicht was es sey.

Die ganze Gesellschaft lachte immerfort über meinenEifer, und wiederholte das Wort: wenn er dasnochhätte und dieses nicht. Aber ich störte mich dar-an nicht, und behauptete: daß es das einzige Mittelwäre, dessen sich alle Kunstverständige , zu verstehenvon denen, die durch den Keller gezogen würden,bedienten, um zu hohen Idealen der Vollkommenheitzu gelangen; und daß derjenige, welcher nicht langedie Keller besucht, und fleißig geschmeckt hätte, nie zueinem so festen und richtigen Weingeschmack gelan-gen sollte.

So wie endlich der Lärm sich zu einer ruhigenBetrachtung herabstimmte, fingen einige an anf meineSeite zu treten; aber wie die andern darauf drangen,daß man, um Geschmack zu haben, nach Gründenbilligen oder verwerfen müßte, verstummeten meineFreunde wieder.

Sackerloth! rief ich, nach Gründen? NachGründen? Freilich nach Gründen, aber doch wohlnicht nach solchen, die ihr Herren in eurer armseligen

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