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VI.
Ueber die Sittlichkeit der Vergnügungen.
Höre Freund, ich geb's dir zu, es ist unnöthigvon den Dächern zu singen, wie süß die Liebe undwie lieblich der Wein sey; denn die Natur wirds demJungen schon sagen, und es ist besser, daß diese esthue, als daß eine Kupplerin die Rose vor der Zeit-reche. Aber daß ich nun auch auf der andern Seiteim Genusse aller Menschenfreuden so sparsam undpipisch seyn soll, damit bleib mir vom Leibe; ichgenieße was ich vertragen und bezahlen kann, das istinein Maaß, und das Maaß eines jeden redlichenMannes unter der Sonnen*).
Du selbst hast mir zugestanden: daß es keineSünde sey, ein Fürst, Graf oder Edelmann zu seyn;unser Pfarrer hat es mehrmals öffentlich gepredigt:man könne hunderttausend Thaler besitzen und dochselig werden, obs gleich ein bischen hart herginge.Wenn ich also von der Ehre und vom Gelde so vielnehmen darf, wie ich vertragen und mit Recht erhal-ten kann, warum nicht auch von der Lust? Wir sindnicht in Amerika, wo man sich mit der Ehre derbloßen Menschheit begnügen muß, und so lange esdauert, so wenig ein Edelmann als ein Graf seyndarf; wir sind auch keine Wiedertäufer, daß wir alleFreuden wie alle Güter gemein haben' müssen; undwenn dieses nicht ist, wenn einer Feldmarschall seyndarf, obgleich hunderttausend als Gemeine dienenmüssen; wenn einer eine Million Pistolen besitzenmag, obgleich ein? Million Menschen nicht so viel
Heller
) Hornig soil hui rusl 7