54 Schreiben einer alten Ehefrau rc.
Thätigkeit mit Versicherung unsrer gegenseitigen Liebeerschöpft hätten. Wir wurden dann vielleicht jetzteinander mit Langeweile anschauen, die Grotte zufeucht, die Abendluft zu kühl, den-Mittag zu heiß,und den Morgen unlustig finden. Wir wurden unsnach Gesellschaften sehnen, die, wenn sie kämen, sichbei uns nicht gefielen, und mit Schmerzen die Stundezum Aufbräche erwarteten, oder wenn wir sie suchten,uns wieder fortwünschten. Wir würden, zu Tände-leien verwöhnt, noch immer mittändeln und Freudenbeiwohnen wollen, die wir nicht genießen könnten;oder unsre Zuflucht zum Spieltische, als dem letztenOrte, wo die Alten mit den Jungen figuriren können,nehmen muffen.
Wollen Sie sich nicht einst in diesen Fall ver-setzen, liebes Kind! so folgen Sie meinem Beispiele,und quälen sich und Ihren rechtschaffenen Mann nichtmit übertriebenen Forderungen. Glauben Sie aber auchindessen nicht, daß ich mich so ganz dem Vergnügen,den Meinigen zu meinen Füßen zu sehen, entzogenhärte. O hiezu findet sich weit eher Gelegenheit,wenn man sie nicht sucht, und sich zu entfernen schei-net , als wenn man sich alle Mal, und so oft es demHerrn beliebt, auf der Rasenbank finden läßt. Nochjetzt singe ich unterweilen meinen kleinen Enkeln, wennsie bei mir sind, ein Liedchen vor, was ihn zur Zeit,als seine Liebe noch mit allen Hindernissen zu käm-pfen hatte, in Entzückung setzte; und wenn dann dieKleinen rufen: ^ncora! ^ncora! Großmama — eraber die Augen voll Freudenthränen hat: so frageich ihn wohl noch ein Mal, ob es ihm jetzt nicht zugefährlich schiene, mich auf der Strickleiter vom Kirch-thurme zu holen? Aber dann ruft er eben so heftigwie die Kleinen: O! ^ncora, Großmama, ^ucors!
Xtll.