Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
JPEG-Download
 

67

Nachschrift.

was Neues. Wir haben uns froh verlassen und se-hen uns froh wieder. Einen kleinen Enkel von dreiJahren, den wir bei uns haben, setze ich ihm au dieSeite, das ist dann seine Puppe, damit muß er spie-len. Macht das Kind etwas, das ihm gefällt: sosage ich ihm, es sey der leibliche Großpapa. Ist derWein nicht gut: so bewundre ich seinen feinen Ge-schmack, und lasse ihn glauben, er sey aus einemneuen Fasse; findet er die Felderdbeeren wohlschmecken-der, als diejenigen, so ich ihm aus dem Garten vor-gesetzt habe: so habe ich auf einem Nebeutische auchvon jenen für ihn in Bereitschaft. Schmeckt ihm dasWasser vortrefflich: so ist es aus der Quelle amBerge, die er selbst hat öffnen lassen; und so mag erloben oder tadeln, ich mache ihm gleich ein Ragoutdaraus nach seinem Geschmacke.

Das geht nun freilich so nicht, wenn man immerden Mann gehen laßt, bis er von selbst kommt, ihnmit anhäkelt, ,oder wohl gar vor ihm mit einem lan-gen Zuge von Verdruß im Gesicht erscheinet. Aberes ist doch auch so schwer nicht, mein liebes Kind!wie Sie glauben, einen Mann auf jene Art' so znregieren, daß er noch immer einigermaaßen Liebhaberbleibt. Ich bin nur eine alte Frau; aber Sie kön-nen noch was Sie wollen; ein Wort von Ihnen, zurrechten Zeit, thut gewiß seine Wirkung. Was brau-chen Sie eben die leidende Tugend zu spielen? DieSeufzer einer Frau sind gut zum verscheuchen, abernicht zum anholen; die Thräne des liebenden Mäd-chens , sagt ein altes Buch, steht wie der Thau aufder Rose; aber die auf den Wangen einer Frau, istfür den Mann ein Tropfen Gift, den er um alles inder Welt nicht verschlucken möchte. Stellen Sir sich