Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
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Schreiben einer Dame

mit Straft» lind Belohnungen und mit allen Spann-rind Sperrhölzern, die nur möglich sind, umgiebt,um sie gerade zu ziehen, und vor dem Überschlagenzu bewahren: so muß man auch des Mannes Seele,wenn sie eine Unart angenommen hat, so lange häm-mern, bis sie einen reinen Schlacken giebt.

Wenn es jemals einen Naturfthler an der mensch-lichen Seele gegeben hat: so ist es gewiß die gar zugroße Begierde, welche wir haben, unsern Gegnerneine absurde Folge ihrer Behauptungen zu zeigen.Auch ich fühle diese Schwäche so stark, wie ein an-drer, und habe ihr vielleicht schon zu viel nachgege-ben, da ich Ihnen jetzt auf gewisse Weise das Ab-surde Ihrer Entschuldigung gezeigt habe. Aber waswürde daraus werden, wenn man gegen diesen Feh-ler gar nicht auf seiner Hut wäre; wenn man immersogleich nach einer Instanz haschte, womit man sei-nen Gegner so recht bei der Nase ins Narrenspitalführte, und dieser einen mit noch größerer Erbitte-rung ins 'Tollhaus schickte? Würde es' nicht eineMarter seyn, in Gesellschaft zu gehen, und würdeman nicht in beständiger Angst zittern müssen, daßsich die lieben Männer und Herrn Collegen beimKragen fassen würden?

Ich will -indessen damit nicht sagen: daß mandiese Manier der Widerlegung ganz verlassen solle;nein , sie ist die kürzeste und treffendste unter allen,wen» sie glücklich gebraucht wird, und eigentlich beiHofe zu Hause, wo man die Syllogismen in korinahaßt. Ich wollte Ihnen nur damit zu erkennen geben,daß man seinen Gegner nicht sogleich im Triumphund mit aller Bitterkeit einer Rechthaberei ins Toll-haus schicken müsse; theils weil es beleidigend ist,

theils