7v Ein kleiner Umstand thut oft vieles.
glaubt? zu träumen. Meine ganze Eigenliebe empörtesich gegen meine Leichtsinnigkeit, und ich konnte nichtbegreifen, wie ich bei dem großen Verstände, womitich mir vorhin geschmeichelt hatte, so tief hätte fällenkönnen. Ich fand auch nicht ein bißchen Großes inmeinem ganzen Verhalten gegen den Angriff des Gra»fen, — nichts, womit ich mich in meinem Gewissenhätte zieren können. Diese grausame Erniedrigung,die ich so ganz fühlte, preßte mir die bittersten Zährenaus; ich konnte mich in meinen eignen Gedanken nichtwieder zu meiner vorigen Größe erheben, und schämtemich vor meinem Anblick. Hundert Einfälle liefenmir durch den Kopf, ich verknüpfte mein« ehemaligenhohen Grundsätze von der Tugend mit denjenigen, soich künftig ausüben wollte, um das Gegenwärtige zuvergessen, aber vergebens. Mit einer herzlichen Reueund mit dem festen Vorsätze, mich zu bessern, konnteich mein Gewissen, aber nicht meine Eigenliebe be»ruhigen.
Sie können leicht denken, daß ich des andernMorgens nicht recht wohl war; ich hatte Befehl ger-ben, keinen außer dem Grafen, wenn er kommenwürde, vorzulassen, und wie er erschien, so vermochteich auch nicht einen Blick auf ihn zu werfen. Ermochte dieses zu seinem Vortheil auslegen; denn ersetzte sich neben mir, ergriff meine Hand, und drücktesie mit aller Glut eines Liebhabers an feine Lippen.Aber hier erwachte ich, und .... O! ich kann Ihnen,liebste Freundin, nicht alles sagen, was mein Herzvorbrachte. Es waren keine Vorwürfe, denn dieseverdiente ich allein; es war das ganze Gefühl meinerSchmach, welches ich ihm schilderte, und so lebhaft,so auftichtig schilderte, daß er meine Hand fallen ließ,und zuletzt den Augenblick verwünschte, welcher mein
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