73 Verdienten sie die Krone oder nicht?
düng, welches so die besten Lenke in seinem Dorfe wa-ren, und wodurch sie sich so eigentlich auszeichneten*Seine Antworten sagten jedoch nur so viel: der undder wäre ein guter Kerl, und noch ein andrer wäreein verwegen tüchtiger Kerl; aber immer folgte einAber hintennach, und dieses Aber ging dahin, daßjeder ei» Held in derjenigen Tugend wäre, die seinerNeigung und Sinnesart am besten zu statten käme,und sich um die übrigen zu wenig bekümmerte. End-lich kam der Mann auf eine Geschichte, die sich vorvielen Jahren in seinem Dorfe zugetragen hatte, undglaubte mir damit einen Verweis zu geben, daß ichgar zu viel von dem besten Menschen forderte. Dennich hatte ihn mehrmals gefragt: wie er diejenigen alsgute Leute preisen könnte, die doch feiner eignen Be-schreibung nach so große Fehler an sich hätten? ^
In unserm Dorfe, hob er an. ist die alte guteGewohnheit, daß jährlich am Neujahrstage die Gemei-ne sich in der Kirche versammlet, und nach geendigtemGottesdienst auf das Schloß begiebt, wo die Herr-schaft einem Ehepaar, welches wenigstens fünf undzwanzig Jahr friedlich mit einander gelebt haben muß,und nach dem Urtheil aller Hausgescffenen Einwohnerdes Dorfs die beste Wirthschaft geführet hat, einenKranz von Eichen - Laube aufsetzt, der mit einer Steuer-freiheit für das Jahr, und einem Ehrenpfennig vonfünfzig Thalern, wozu ein alter Canonicus aus derFamilie das Capital vermacht hat, verknüft ist. Dabeiwerden bann alle wirkliche Ehcleute an einer gutenTafel bewirthet, und des Abends kommt das jungeVolk zum Tanze. Nun geschahe es in meiner Jugend,daß unser Gerichtsherr eben an einem solchen Tage einSchreiben aus Amsterdam erhielt, worin ihm gemeldetwurde, baß vor vierzig Jahren ein gewisser Mann aus
seinem