Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
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Verdienten sie die Krone oder nicht? gr

zeugte: es hätte ein Mal in ihrer Jugend ein Knechtbei ihren Eltern gedienet, der nach Ostindien gegangenwäre, und sie hätte damals ein Mal geglaubt, schwan-ger zu seyn, es wäre aber noch glücklich wieder über-gegangen.

Man kann sich leicht vorstellen, baß man bei die-sem wichtigen Vorfalle die Ceremonie des Tages ganzaußer Acht gelassen halte. Wie es aber doch allmählichEssenszeit wurde: so erinnerte man sich derselben, weilman sich nicht an den Tisch setzen konnte, ohne dasPaar zu wählen, was als das beste den obersten Platzeinnehmen müßte. Alle Stimmen waren einmüchig fürdie Erbin und ihren Mann. In dem Augenblick aber,da man denselben die Krone von Eichen - Laube aufsetzenwollte, trat der Bruder der Gerichtsfcau mit einemlauten Gelächter in die Versammlung, und erzählteihnen zu ihrem größten Erstaunen, daß er ihNe» heuteeinen Possen gespickt, und das schöne Testament erdich-tet hätte.

Von dem Entsetzen, welches die ganze Gesellschaftbefiel, will ich nichts erwähnen; es kann auch nicht be-schrieben, sondern blos empfunden werden. Jetzt entstandaber die Frage r ob der Mann, der seine Ehre so leichtaufgegeben, und die Frau, die sich so bescheiden zurHureerkläret hatte, als die besten Ebeleute im Dorfe gekrösnet werden könnten? Der Gerichtöherr sagte kaltsin-nig: er wolle es lediglich auf den AuSspruch der Meng«ankommen lassen; die gnädige Frau meint«, sie müßtendoch etwas für den Schrecken haben; der Pfarrer ver-sicherte, es waren doch immer gute Leute gewesen; unddie Gemeinheit rief einhellig: O, wenn man alle soauf die Probe setzen wollte, so möchte der Henker einehrlicher Mann seyn. Dep einzige Gerichtshalrer wolltebehaupten, die Sache müßte erst näher untersuchet wer-Möscrs patr. Phantast IV. Lh. F den