Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
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9» An einen jungen Dichter.

deü Geschmack für den Wein noch mehr zu scharfen?Haben Liebe und Wein nicht schsn ihre natürlichenRsktzungen für unsre Bedürfnisse, und ist es rathsam,das Gewicht, was schon auf dieser Seite den Ausschlaggiebt, noch zu vermehren?

Ja, wenn die Andacht jeden Kuß zur Todsündegemacht hatte, wenn das schöne Geschlecht sich weigerte,die Mühseligkeiten und Gefahren des Ehestandes zutragen, oder wenn die Männer sich in die Einsamkeitbegäben, Wein und Liebe flöhen, oder wenn gar der.Staat Gefahr lieft, auszusterben, dann wäre es freilichZeit, jenen Gegenständen alle nur mögliche Reitzungenzu leihen, und in jeden Busen eine neue Flamme zusingen. Aber so geht nur alles darauf hinaus, einemdasjenige, was man ohnehin nur gar zu sehr sucht,noch süßer zu machen, und den Menschen immer mehrund mehr von andern Befthäffttgungm abzuziehen.Man stört die Oekvnomie der Natur, welche die Arbeitsauer, und das Vergnügen süß gemacht hat, um dieersten durch das andere zu befördern, nicht aber umsich dem letztem zu sehr zu überlassen.

Was würde man sagen, wenn jemand die Ehreauf diese Art behandelte? Wenn man von nichts, alsvon dem hohen Vergnügen zu gebieten, und der Be«Herrscher vieler Tausenden zu seyn, sänge, und damitden Stolzen nur noch stolzer machte? Und doch istdie Ehre in unsern heutigen Verfassungen noch fastdas kräftigste Mittel, den Menschen zu edlen Thatenund kühnen Aufopferungen zubringen. Die Ehre hat da-bei über die Liebe noch den Vorzug, daß sie blos durchedle Handlungen erworben und erhalten werden kann;man hat ein Mal die Anlage so gemacht, daß keinersich solche erwerben kann, ohne sich ihrer würdig zumachen; und der Adel selbst fühlt die Pflicht, seine

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