i ch6 Etwas zur Verbesserung der Zuchthäuser.
Staaten, wo es eben nicht angenehm zu wohnen ist,sehr vieles von ihrem Werthe, wie von ihrem Nutzenverloren; in den alten Zeiten, wie die Kreisstände sichhierüber verstanden, und diejenigen, die aus einemLande verwiesen waren, in einem andern desseibigenKreises nicht aufgenommen wurden, mochte man mehrdamit ausrichten. Unsre Vorfahren, die alle Malreich an praktischen Erfindungen waren, hatten einvortreffliches Mittel, hierüber ohne viele Umschweifeeine nachbarliche Correspondenz zu unterhalten. Siestempelten den Verbrecher mit einem glühenden Eisenauf den Rücken, und nirgends ward ein Neuwohneraufgenommen, ohne zuvörderst der, Obrigkeit, unterwelcher er aufgenommen seyn wollte, einen reinen Rük»ken zu zeigen. Wenn wir diese Erfindung, welche zumTheil durch unsre neumodische Menschenliebe verscheuchtist, wieder aufnähmen: so würden wir vielleicht damiteben so gut auslangen, als man damit in den Zeiten,wie noch gar keine Zuchthäuser, und mehr reiche Leuteals jetzt in der Welt waren, ausgelangt ist.
Eben diese allmählich eingeschlichene Empfindsamkeithat, indem sie einige Strafen gemildert/ solche nurhäufiger nöthig gemacht. Man hat in verschiedenendeutschen Stadtrechten viele sonderbar schimpfliche undkränkende Strafen gegen allerhand Garten» und Feld»diebereien gehabt; und es ist glaublich, daß das Exem»pel, was damit an Einem gegeben worden, zehn andrebekehrt habe. Jetzt sind wir gelinder, und die Folgedavon ist, daß wir zehn Leute statt einen strafen müs»sen. In den ältesten Zeiten und bei allen Völkern istdas Blenden eine sehr gewöhnliche Strafe gewesen;sie vertrat die Stelle der Lebensstrafe, und ich glaube,daß sie die fürchterlichste unter allen sey. Jetzt habenwir solche verlassen, weil wir glauben, man könne das
- Eben»