wie andre Menschen 163
sehen kann. Es ist kein Sündenbock, worauf so vielfremde Schuld gelegt wird, als auf uns; dies istnnser Loos, und zwar unser von Gott gezogenes Loos,welches einer für alle tragen muß, und was unsimmer nöthigen wird, auf einer gewissen Höhe zu blei-ben , die sich mit der Freundschaft nicht zu wohl ver-trägt. Sogar wird es uns von Jugend auf zumGesetz gemacht, gar keine vertraute Freunde zu habenoder zu hören. Wie leicht zögen wir sonst einenMann, der weniger Verdienst und mehr Angenehmeshätte, als ein andrer, im Umgänge hervor, und daswäre an Uns Ungerechtigkeit; bei uns muß die Vor-stellung des Ministers immer mehr gelten, als dieVerbitte eines Freundes, oder jener würde uns nichtdienen, und des Mensch durchscheinen, wo allein derFürst handeln darf. Es ist eine große Frage, obKönige und Fürsten ein eignes Herz haben dürfen?Das meinige ist mir nur bekannt, weil es oft leidet.Wie mancher edler, verdienstvoller und liebenswürdigerMann hat nicht schon für mich geblutet! Aber ichdarf bei seinem Falle nicht lange weinen; ich muß,ja ich muß noch mehrere aufopfern, und zu demGipfel des Berges flüchten, um das Wehklagen imThals nicht zu hören. O es ist eine grausame Sa-che , König zu seyn; ich muß der Unterdrückten Un-schuld gegen die Mächtigen, welche meinen Thronumgeben, Recht schaffen; und was würden jene zuhoffen oder diese zu fürchten haben, wenn ich michganz zu mir selbst herabließe, und mit ihnen ganzFreund, ganz Mensch wäre? Dieses darf keiner wün-schen , der in den Fall kommen kann, worin er mei-ner Hülfe bedarf. Nun mein lieber N . . . wissenSie, was ich bei Ihrem Wunsche „daß ich so glück-lich werden möchte, den Dunstkreis der mich umgiebt,
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