Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
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an seinen Nachbar mit der Gerichtsbarkeit. 171

in der guten Absicht, seine Hintersassen zu erhalten,nicht nehmen, desto mehr muß man ihnen geben, undohne einen solchen beeideten Mann laßt sich im heil.römischen Reich keine Justiz pflegen. Nach dem Geisteder deutschen Verfassung hat man dem Landesherrngewisse bestimmte Spötteln und Strafen zugestanden,um davon das hohe und niedrige Justiz - Inventariumzu unterhalten; und es ist eigentlich wider diesen ur-sprünglichen Contract, wenn man dem Landesherrndie Beschwerden lassen, und die Vortheile entziehen will.

Wenn wir alle so verfahren, und alle Bruchfällein unsern Dörfern an uns ziehen wollen, so wird imGrunde nichts weiter dabei herauskommen, als daßunsre Hintersassen und Leibeigne dasjenige auf eineandre Art ersetzen müssen , was solchergestalt dem ge-meinen Oberhaupte entzogen wird. Denn dieses willdoch eben so gut, wie unser Pfarrer unterhalten seyn,der, wenn jeder von uns seinen Capellatt halt, vonunsern Leuten so viel mehr nehmen muß.

Ich erinnere mich Hiebei eines älten Städtchens, worindie Bürgerschaft, oder Namens ihrer der Kaiser, demMagistrate den Weinkeller und die Apotheke angewie-sen hatte: um aus dem Gewinnste von beiden alles,was zu seiner und der Stadt Nothdurft erfordert wer-den würde, zu bestreiten. Eine Zeit lang ging diesesvortrefflich, lind der Vortheil von Aquavit lind Rha-barber reichte allein hin, den Bürgemeister und sech-zehn Rathsherrn zu unterhalten. Allein nach undnach erlaubten diese Herrn einigen Vettern und freun-den auch Aquavit zu schenken, und ein Laxiertränkchenzu verkaufen; und nun mußten die armen BürgerSchoß und Steuer geben, um die Lücke zu füllen,welche durch diese Vergünstigung in der Stadtkaffe ent-stand. Die Bürger wollten sich zwar anfangs wider-setzen,