Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
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von den Westphälischen Freigeri'chttli. 199

können. Jeder Fürst hatte einige Freischöpfen unterseinen Räthen, jeder Magistrat unter seinen Glie-dern*), und der Adel war häufiger Freischöpfe, alsjetzt Freimaurer. In Sachen der Stadt Osnabrückgegen Conrad von Langen, waren über dreihundertFreischöpfen, theils von der Ritterschaft, theils ehr-baren Standes**), in der heimlichen Acht, worin dervon Langen verdammt wurde. Auch Fürsten, als derHerzog von Baiern und der Markgraf von Branden-burg, ließen sich zu Freischöpfen aufnehmen; undman erzählt von dem Herzog Wilhelm von Braun-schweig, einem Freischöpfen, daß er gesagt habe: ichmuß Herzogen Adolf von Schleßwig hängen, wenner zu mir kömmt, oder die Schöpfen würden michhängen ***). Man konnte dem Verfahren der Frei-gerichte nur selten ausweichen: da die Freischöpfen —wenn sie einen Fürsten aus seinem Palaste, odereinen edlen Herrn aus seiner Burg, oder einen Bür-ger aus der Stadt zu verabladen hatten — sich desNachts ungesehn und unerkannt an die Mauren derBurg oder der Stadt heranschlichen, und die bei sich

haben-

Es habe sich erfunden, schreibt in OUron«

x. n. v. 9., daß gö Bürger zu Augspurg,darunter auch viel von Geschlechten und desRaths, deS scharfen Westphälischen Proces-ses bewußt, ja auch wohl gar heimliche undverborgene Henker gewesen. Wenn solchergestaltg6 Westphälische Freischöpfen in einer einzigen entferntenStadt waren, wie viel« mochten denn nicht in ganzDeutschland gewesen seyn?

»') Beim lirerr von» Archiv. Wesen in -px. S. rüi.

*") Doch bezweifelt der Hofrath Koch in den Anmerkungenüber die Westph Gerichter rc. diese Erzählung Johan-nes von Busche 6s rokorm. inovssr, lll. 4 ». p. 94a.weil der Herzog sich so weit nicht herauslasien dürfen.