Mehrbändiges Buch 
Patriotische Phantasien / von Justus Mösre ; Herausgegeben von seiner Tochter J. W. J. v. Voigt, geb. Möser
Entstehung
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von den Westfälischen Freigerichten. 2VZ

Bischoffsrnützen gejagt, diese aber genöthiget haben,sich einem allgemeinen Reichsgerichte zu unterwerfen,und sowohl für sich als für ihre Unterthanen einenOberrichter zu erkennen; vor welchem man, wo nichtin der That, doch wenigstens in der Theorie, allerHohen und Niedrigen in Deutschland zu Rechte mäch-tig werden kann. Sobald aber die Freigrafen dieseswichtige Werk, obgleich wider ihre Absicht, zu Standegebracht hatten, bedurfte man ihrer grausamen Hülfenicht weiter.

Uebrigens war das Verfahren der Freigrafen ansich gar nicht unförmlich. Jeder Beklagte ward dreiMal, um auf die Klage zu antworten, und wenn ernicht erschien mithin in contumaciam gegen sich spre-chen ließ, zum vierten Mal vorgeladen, um der Exe-cution vorzubeugen. Das Urtheil ward, so lange esordentlich zuging, von redlichen und ausgesuchten Män-nern gefällt, und solchergestalt keiner ungehört ver-dammt. Was ihnen dagegen aus Haß von den Terri-torialherrschaften, welche die kaiserlichen Commiffariennicht leiden konnten, aufgebürdet ist, ist wahrscheinlichgroßentheils übertrieben; und außer den vorgedachtenSchöpfen des Königs Wenzels, und denen, welchevon den Freischöpfen auf frischer That ertappt wur-den, ein Fall, der vielleicht nie eingetroffen ist, fstvon ihnen vielleicht keiner von Stund angehangenworden.

Den Namen verbotener Gerichte führten dieFreigerichte ohnstreitig daher, weil das Gericht dermissorum unter dem blauen Himmel ein ungebeten,das Still ge richt aber ein geboten Ding war;wovor keiner, als wer dazu verbotet war (einwestfälischer Ausdruck für citiren) erschien. Daauch noch jetzt in einigen Ländern, als z. E. im Oe-

sterrei.