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Rechtgläubige und Sekten, wonach sich das Kalifat, die geistlich-weltliche Herrschaft zertheilte. Der Herrscherstamm der Oma-jaden zog Nordafrika längs, landete in Spanien, und durchVerrath aus unchristlichem Sinne unterstützt, siegte er an denSchlachttagen vom 19. bis 26. Juni 711 bei Leres de lnFronteira, wo das westgothische Reich unterging. Zugleich wardas griechische Kaiferthum von den Mohamedanern aus Asien,,selbst von den Inseln verdrängt, und Constantinopel gefährdet.Doch der Herr gab noch Frist: ob diese Hauptstadt ihrer erstenBestimmung, Europa zu schützen ferner gedenke; und setzte vor-erst hier dem Islam eine Grenze. Constantinopel, der Mittel-punkt der Kämpfe um den wahren Glauben, reinigte sich dochnie völlig von den »Irrlehren, des Kaisers Macht lieh demFleische zu viel Uebergewicht gegen den Geist. Arianer be-stiegen selbst den Thron, und gegen fast heidnischen Bilderdiensterhob sich sogar, durch den Islam veranlaßt, ein Bildersturm.Als der wahre Glaube wiederkehrte und dann die mächtigeEinheit des Kalifats in sich selbst zerbrach, eroberten die Ost-römer manches in Asien auss Neue, namentlich unter JohannesTzimiskes im 10ten.Jahrhundert. Auf der andern Seite wardEuropa vor dem Islam geschützt durch die gewaltige Schlacht,worin Carl Martel 732 n. Chr. bei Tours die über die Py-renäen einbrechenden Saracenen besiegte, und für immer zurück-wies. Keine bedeutsamere Schlachten waren bisher seit ChristiGeburt geschlagen als die gegen die Hunnen und nun gegendie Saracenen.
Die Mohamedaner dehnten sich unter ihren verschiedenenHerrschergeschlechtern über alle Länder aus, die das Christen-thum entweder nicht angenommen, oder gegen dasselbe lau ge-worden, so daß von ihnen der Herr seinen Leuchter hinwegstieß. Bei den Heiden wehrten die Mohamedaner noch wenig-stens ärgeres Heidenthum ab.