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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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Erstes Kapitel.

Bernhard von Clairvaux und Peter Abailard.

Als das Leben in den geistlichen Stiftungen des Abend-landes längere Zeit her, besonders durch den Wohlstand derUmgegend und durch die Glaubensausbreitung, hingetrachtethätte das Volk in lebendiges Christenthum einzusenken, dafolgte dann der Menschengeist wieder seiner Neigung zu eigen-willigen Wegen. Die großen Kirchenlehrer, Augustin für dasAbendland an der Spitze, hatten die Fülle der heiligen Schriftals ein leicht faßliches Eines zu vereinen gestrebt, daß danndieses von den Concilien jedem Gläubigen als sein Bekenntnißgegeben werden konnte. Den Laien genügte so der Inhaltder heiligen Schrift; die vielen Klostergeistlichen aber wurdendurch ihre, Anfangs fast ausschließliche Beschäftigung mit denKirchenvätern, nicht blos tiefer in die heilige Schrift einge-führt, sondern auch allmälig in die alten heidnischen Schrift-steller und deren Weltweisheit, daran die Kirchenväter stchselbst genährt hatten. Ein Alfred von England, ein PapstSilvester II. (f 1003), unterstützten diese Richtung, letztererbegünstigte dabei selbst maurisch-spanische Wissenschaft; undder Einfluß gelehrter Juden trat mit hinzu. So kam ein anSpitzfindigkeit stch ergötzendes Forschen des Menschengeistes,das, der Theologie sich bemächügend, Scholastik genannt wurde,zur Blüthe, eine Weisheit, sich anlehnend an Plato oder anAristoteles, wo anfänglich das Glauben ein Erkennen herbei-führen sollte, doch bestimmte letztlich das Erkennen ein Glau-ben. Leider bemächtigte sich die Kirche der Scholastik, meinendsie in Schranken zu halten, und ließ von ihr alle Glaubens-sätze zur Erkenntniß bringen, ja gestattete ihrer Spitzfindigkeit,Irrthümer einzuführen, welche später die Reformation vernoth-wendigten. ' Die Schreibekunst verbreitete nur sparsam dieGedanken; aber bei der Völkerbewegung der Kreuzzüge tratenauch die Klostergeistlichen mehr hinaus, sie bewegten sich nichtallein in der Seelsorge für ihre Umkreise, der Orient drangfremdartig auf sie ein, und verlockte das Denken über dieSchranken des Glaubens hinweg. Eine Schaar von Schülernumringte die gelehrten Mönche, reizte sie durch Beifall zu