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größerer Kühnheit — und trug zugleich die Gedanken in alleWelt. Und wenn auch noch in der zuerst züchtigeren Richtungdie herrlichstbegabten Männer, wie Anselm von Canterburpund Hugo » St. Victor, der scholastischen Weisheit huldigten,so führten sie doch von der Einsalt der Bibelweisheit ab, undwaren durch ihre Begabung um so versührischer. Die nichtminder hochbegabten Thomas Aquinas und Bonaventura,schritten jenen Weg weiter verfolgend, tiefer abwärts. DerGlaube ward eine Fessel für den Verstand, und derselbe ent-fesselte sich immer kecker. Die Sehnsucht nach der Gemein-schaft, mit dem durch Papst, Heiligendienst, Kelchentziehungverdrängten Christus, wie sie sich in den Zügen nach demheiligen Grabe kund that, entwickelten statt ein geistliches Leben,nur ein geistiges. Der Gegensatz von dem, was da hättegeistlich werden sollen und nun geistig ward, bekundet sich inzwei Männern, die sich darin auch entschieden entgegen traten,in Bernhard, Abt von Clairvaux, und in Peter Abailard.
Bernhard, der nachherige Abt von Clairvaux, Burgun-dischen Adels, also bedeutungsvoll wohl germanischen, war.1091 geboren. Seine Mutter erzog ihn zum Geistlichen.Wieder ein Preis mütterlichen Waltens! Weder die Lust andem Ritterwesen des Vaters und der Brüder, noch der Schim-mer scharfsinniger Schulkämpfe fesselten Bernhard lange. Mit22 Jahren trat er in ein armes einsames Kloster, wohin dieMacht seines Wesens 30 Brüder und Verwandte mit ihm zog;und in strengster Zucht dem Gebete, dem Bibelerforschen, dertiefen Betrachtung ganz hingegeben, ward er schon mit 25Jahren Abt von Clairvaux. Nichts ward er jemals nrehr,aber unendlich ötel- darin. Ihm stand es unbeweglich fest:
(res divinas non disputatio comprehendit sed sanctitas) „nicht hoch-
müthiges Vernünfteln, sondern demüthige Hingabe des Men-schen dringt zu Gott." Die hohe Erfahrung, aus dem Ein-dringen in Gottes Wort hervorquellend, die mit herzinnigerDemuth Gott allein vertrauende Kraft seines Wesens, seineRede und Schrift von der Flamme des Hexrn durchzückt, gabendiesem Manne einen Wirkungskreis, dessen große Bedeutungfür die Kirche, niemand sonst in dieser Zeit erreichte. Empor-getragen ward er von der Menge seiner hochangesehenen Schü-