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milderte hier. Im anderen Deutschland erhoben sich ausMitten der ländlichen Bevölkerung die Städte als geistlichePflegeämter und Anhaltspunkte gegen die Feinde. Nur andem Meere erweckte dies freie Element die Lust, keck hinaussich zu versuchen, da wird man mehr auf sich selbst verwiesen,doch blieb der germanische Sinn für Genossenschaft, und manstärkte sich am Bunde der Gleichgesinnten, der Hansa.
Italien, das Altrömische am natürlichsten fester bewah-rend, blieb in seinem lebendigsten Theile nur eine Mengevereinzelter Städte, wo fast Stadt gegen Stadt feindselig biszur Beknechtung gegen einander wetteiferten, und sich dazuauch nur in Bünde vereinten. Die Fürstenthümer, welche jeam mehrsten dort später galten, haben ihren Namen von derobsiegenden Stadt, worin unter schrecklichen Parteikämpsen einGeschlecht sich erhob. Neben diesen vereinzelten Städten sindkaum italienische Völker in geschichtlicher Entwickelung inSavohen und Neapel zu finden. In keinem europäischenLande hiergegen, legt sich die reichste Mannigfaltigkeit des städ-tischen Wesens dar als in Deutschland, wie. oben bemerkt.Bei der mannigfaltigsten äußeren Selbständigkeit, waren diedeutschen Städte in der wahrsten, der inneren, Einheit. Wiein ihren Mauern freie Leute lebten, ließen sie die Leuteaußerhalb auch Freiheit genießen; und sie traten nur in Bündegegen Undeutsches. Die Städtebünde am Rhein und dieHansa standen nicht gegen, sondern mit einander; sie erkanntendie Einheit eines Volkes und eines Reiches, wie es durchBonifaz christlich geworden war. Es hat hier alles seinenGrund in der tiefen Einheit, welche aus der wahrsten Einheit,der Gemeinschaft in dem Herrn, der Kirche, hervorgeht.
Die Kreuzzüge gaben aber allem städtischen Leben mehreine Richtung in die Ferne. Die Städte sammelten die Mengeder Kreuzfahrer, sie rüsteten sie, beförderten die Fahrt undsandten Hülfe nach. Die Genüsse fremder Länder wurdenlockend, die Städte schafften sie herbei, und daneben regtedieser Verkehr die geistigen Kräfte an, zu Gewerken undKünsten. Die Menschen eines Landes sollen in Beziehung zueinander gedeihen, auch Land zu Land soll sich helfend dieHand reichen, das vermittelt der Handel, aber zu leicht schweift