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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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so wieder andere Gemeinschaften, die sich Körperschaften undGenossenschaften nannten, immer das Hauptbild abbildlich wie-derzugeben, bis in alle Theile hinab, Nebenglieder.

Von Rom aus, als dem Urbilde anhebend und in allenromanischen Ländern weiter, waren es Einwanderer, welchedie Städte gründend, städtisches Wesen in den Ländern herr-schend machten. Es reihten sich Städte mit ihren Gebietenaneinander, selbständig vereinzelt, das Landvolk war ihnendienstpflichtig; es entwickelte sich nicht neben ihnen ein Volkder Provinzen, frei auf ländlichem Besitze. Ebenmäßig warder Adel ein bloß städtischer, käinpfte für feine Rechte in denStädten, machte das Landvolk den Städten Unterthan, statt eszu einer Unabhängigkeit neben den Städten zu schützen undzu kräftigen.

Die Germanen dagegen waren erst Landbauer und zogenerst später in Städte. Derjenige Adel, welcher mit hineinzogward leicht zum Handelsverkehr verlockt, sonderte sich vomLandadel. Dieser letztere ward aber vielmehr der Bewahrerder Volksfreiheit dem Landesherrn gegenüber. Die spätereZeit legt dies noch deutlicher dar in den deutschen Ländern,wo der Adel als Reichsadel sich weiter vom Volke lostrennteund vereinzelte, und nun die Städte allein die Dolksfreiheitzu vertheidigen bekamen. Obschon ihnen als Vorbild die vielenReichsstädte vorleuchteten, unterlag doch in Süd- und Mittel-deutschland die Volksfreiheit mehr als dort, wo ein Landadelmitkämpfte. Es offenbarte sich hier das Selbstische des städti-schen Wesens, was immer sich vorweg beachtet, neben einemchristlichen Adel, der als solcher stets ein Vorstand des gan-zen Volks sein wird.

Alle Städte aus der römischen Zeit hatten nun docheine so bestimmte Gestaltung, daß das Christenthum wohleine andere Seele einhauchte, die den Körper veredelte, abernicht unkenntlich machte. Je ferner von Rom, dem Urbilde,ab, desto mehr verlor sich die Kenntlichkeit und herrschte diegermanische Eigenthümlichkeit vor. In Süddeutschland undam Rhein hinaus waren Städte römischen Ursprungs, undin ihnen blieb etwas von dem Chäracterzuge, der nach ge-sonderter eigener Herrschaft trachtete, nur der ländliche Adel