Buch 
Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
JPEG-Download
 

286

zwischen Mainz und Hessen bisher fremde geblieben. Dieverwandten Fürsten von Sachsen begünstigten eine Vormund-schaft ohne Anna. Allein nach einigen Jahren gewann dieFürstinmutter die Städte, dann auch viele Ritter und sieward Vormünderin, bis Philipp 14 Jahre erreicht. SchwereZeiten brachen herein, die solches Mannes bedurften. Franzvvn Sickingen schaarte die Ritter zusammen, die Fürstenmachtzu Gunsten des Kaisers zu brechen und den niedern Adel zueiner Kraft des Oberhauptes zu erheben. Franz erlag derAusdauer des Landgrafen Philipp 1523. Die Aussessigkeitder Ritter ermunterte die Bauern vom Bodensee bis in Thü-ringen hinein zu gleichem Versuche einer größeren Selbstän-digkeit. Furchtbar tobte der Bauernkrieg. Auch ihn dämpftePhilipp durch blutige Schlachten, zugleich durch Versöhnlichkeit1525. Als Retter der Deutschen in leiblicher Noth erschiener bald als der Befreier von den römischen Fesseln. Er be-kannte sich 1525 zur Reformation, widersetzte sich mit seinenVettern in Sachsen und Mecklenburg, ein glorreicher Bund derEnkel Herzogs Magnus u. von Mecklenburg, dem päpstlich-kaiserlichen Zwange, und führte die Kirchenverbesserung mitBewahrung der Selbständigket und des Gutes der Kirche insein Land ein. Die Hoheschule zu Marburg, schon 1527 mitTheilnahme besonders der Städte Hessens gestiftet, sollte dasneue Glaubensleben kräfstgen. Daß aber Lambert v. Avignon,ein Zwinglischer, und Theobald Thamer, Rationalist, als Theo-logen berufen, zeigt schon, welchen Weg Philipp ging. Vonden kirchlichen Mißbräuchen hatte sich Philipp losgesagt alsein Mann der That, doch als er sich demüthig unter das WortGottes beugen sollte, stand er wieder bei den Schweizern inder Abendmahlslehre. Zu kräftiges Selbstvertrauen, freilichdurch steten Erfolg gestärkt, ließ den Landgrafen zu viel aufmenschliches Einwirken bauen, ein Gegenbild des ChurfürstenJohann Friedrich. Nach der Entscheidungsschlacht bei Mühl-berg ging der Landgraf nach Hessen, stellte sich auf Bürgschaftder Churfürsten Moritz und Joachim ll. von Brandenburg,dem Kaiser, ward aber verrätherisch festgehalten und duldete 5Jahre ein strenges Gefängniß in den Niederlanden. Die Ge-mahlin Christine von Sachsen starb vor Gram, aber der äl-