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teste Sohn Wilhelm bot Alles zur Rettung des Vaters aufnnd es gelang die Befreiung durch den kühnen Ueberfall desKaisers. Rührend war Philipps Heimkehr. In Liebe undSorge für Kinder und Unterthanen herrschte er noch manches -Jahr, einfach und unermüdlich. Das Leben Philipps zeigtvon seinem ersten Wirken an eine reiche Gnadenführung; aberstatt frohwillig zu folgen, verstockte er sich tiefer in CalvinsLehre. So änderte die Gefangenschaft nichts bei ihm, nichtsin letzter Zeit die seltene Vertraulichkeit mit dem gläubigenChristoph, Herzog von Würtemberg; immer ferner trat er vonder reinen Lehre. Da ward sein Wandel auch nicht rein.Von Margarethe an der Saal seit 1541 hatte er 7 Söhne,die er als Grafen von Diez reich ausstatten wollte, aber siegingen früh in ihrer Thorheit verloren, der letzte starb alsVerbrecher im Gefängniß. Philipps jüngster echter Sohn Georgward während der Gefangenschaft geboren. Der Vater liebteden schönen Knaben besonders, und Georg, versöhnend denAbfall des Vaters, blieb mit seinem Geschlechte in der erstenTreue zum Herrn. Landgraf Philipp hinterließ 1567 jedemseiner 4 Söhne einen Landesantheil; dem ältesten, Wilhelm,die Hälfte Hessens mit dem eigentlichen Fürstenthume und Cassel,der zweite Sohn Ludwig erhielt ein Viertel, mit Marburg, derdritte Philipp ein Achtel mit Rheinfels und der vierte Georgein Achtel mit Darmstadt. Die Theilungen der Fürstenthümerin Deutschland haben oft viel Verwirrung herbeigerufen. Woaber ein Fürstenthum erst von Außen anwachsen sollte, warddas Fürstengeschlecht bei einer Theilung in den neuen Erwer-bungen recht heimisch, und fand zu fernerer VergrößerungAnlaß. Auch verdankt Deutschland solchen Theilungen einemögliche größere Verzweigung der fürstlichen Geschlechter, unddadurch die reiche Zahl der herrlichsten Männer und Frauen,voll des Bewußtseins wahrer deutschen Freiheit dem Volke vor-leuchtend. In diesem hohen Adel ist die Blüthe der Deutschenzu finden, ihre Lebensgeschichten ersetzen die Heroensagen. Sowar es bei Hessen. — Das Testament Philipps suchte mancheüble Folgen der Zersplitterung zu verhindern, Landgraf Wil-helms milde Weisheit half dann nach, da er schon 1568 diebrüderliche Erbeinigung erwirkte, wo noch manches Gemeinsame