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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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fen mehr Angegriffene statt Angreifer waren. Das von deinHerzogthum aber ganz eingeengte Bisthum Hildesheim gab zuvielem Zwist Anlaß. Der Begriff des Herzogsthums bewirkteferner, daß öfter die Fürsten gemeinschaftlich verwalteten, unddaß bei Theilungen, wo zudem manche Städte als Braun-schweig, Hannover gemeinsam blieben, doch sich einige Haupt-theile herausbildeten, vornämlich Braunschweig, als das engereHerzogthum, woraus die Erstgebornen ein Vorzugsrecht behaup-teten, und die Fürstenthümer Lüneburg, Grubenhagen, Göttin-gen, zuletzt Kalenberg. Otto des Kindes Söhne, Johann undAlbrecht, beschafften die erste Landestheilung 1269, worin er-sterem Lüneburg, letzterem Braunschweig, Grubenhagen undKalenberg zufiel. Johanns Sohn, Otto der Strenge, f 1330,that besonders viel innerhalb seines Gebiets, sich durch Er-werbung zu vergrößern. Mit Johanns Enkel starb aber dessenStamm nach hundertjährigem Blühen ab. Albrechts beideSöhste verzweigten sich 1279, so daß Heinrich für Gruben-hagen und Albrecht der Feiste für Kalenberg eine Geschlechts-solge bildeten. Heinrichs Enkel, Otto, versuchte.sein Glückmit Johanna, Königin von Neapel, 1376; allein die Gemah-lin ward im Kerker erwürgt, und Otto vermogte sich nur dasFürstenthum Tarent zu erkämpfen, wo er ohne Erben 1387starb. Heinrichs zweiter Sohn, Ernst, vereinigte durch denEnkel Erich wieder das getheilte Grubenhagen; jedoch um esaufs Neue unter zwei Söhne zu zertrennen. Die Prälatenund Ritter, denen sich die Städte auch anschlössen, weil vonihnen am ehesten Steuern beizutreiben waren, an sie also fürst-liche Anforderungen ergingen, bildeten in den angeführtenHauptlandestheilen eine Gesammtheit, welche eine gänzlicheTheilung hinderte, und sich aus den gemeinsamen Landtagen,die auch Gerichtstage waren, wie zu Hannover auf dem Baum-garten, vor Lauenrode dem Schlosse, oder aus dem Leinebergevor Göttingen, mit dem Fürsten beriethen. Erichs Nachkom-men führten eine wohlthätige Herrschaft, nahmen nicht Theilan dem unseligen Familienzwist der hildesheimer Fehde, undbegrüßten mit Herzog Philipp I. 1521 zuerst die Reformationzu Worms so freudig, daß er sie bald in sein Land einführte,auch er und seine Nachfolger bis zu ihrem Aussterben -1596,