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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
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gefördert, durch Luthers leicht faßliche und doch so herrlicheLieder, welche sich nach seinen schönen Melodien so köstlichsingen. Der Mecklenburger singt gerne und die Macht desGesanges unterstützte die Predigt. Höchst wichtig war es, daßdie Landesherren bald inne wurden, wie eben ihnen, die vonGottes Gnaden eingesetzt, das göttliche Amt an der Gemeindezur weltlichen Pflege vertraut sei, nachdem es von den hierar-chischen Fesseln befreit worden; nicht daß die Landesherr» imgöttlichen Amte wirksam seien, sondern in nentestamentlicherEntwickelung der alttestamentlichen Stellung der Könige Israelszum Priesterthume. Die Stellvertretung des Papstes wardvernichtet, Christus ward wieder alleiniger Herr und Mittler,dem Amte an der Gemeinde von Ihm unmittelbar «n denGeistlichen übergeben, wurden die Landesherren, denn das be-deutet ihr von Gottes Gnaden, zugeordnet, damit das Irdischein seiner Höhe dem Amte diente. Wie die Nerven Seeleund Leib vermitteln, so vermittelt der Summepiscopat die Kirchemit dem Leben. Denn der Summepiscopat, so angefeindet vondenen, welche das göttliche Amt aus der Gemeinde ableitenwollen, ist gewesen und kann noch mehr sein, ein Segen fürdas Bisthum, dieser Gesammtheit aller einzelnen Gemeindeneines Landes, um namentlich die Mitteldinge, dem von Gottja ebenfalls gemachten Character des Landes angemessen, zuordnen. Es war aber in dem fürstlichen Geschlechte von Jo-hann dem Theologen an ein richtiges Verstehen der geistlichenDinge, daß man es ein bischöflich Geschlecht nennen möchte,und dies begünstigte grade in Mecklenburg eine Auffassungdes Summepiscopats bei aller menschlichen Gebrechlichkeit,daß es sich damit nachahmnngswerth an die Spitze derDeutschen stellte.

Beide Herzöge besuchten den Reichstag 1530, unterschriebenaber nicht das Bekenntniß, freilich beide in Schwachheit. Hein-rich befürchtete von verschiedenen Schritten eine Gegenwehrseines Bruders. Der Magistrat Rostocks setzte schon 1531eine kurze Kirchenordnung fest, worauf denn aller römischeGottesdienst in den Hauptkirchen beseitigt ward. Die Herzögeließen überall das geistliche Gut verzeichnen, um dessen Beein-trächtigung zu hindern. Ward 1534 von Luther ein geeigne-