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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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nigt und kräftig, daß er Vielen Heil brachte, vornehmlich inPolen und Schlesien. Altes lebendiges Lutherthum knüpft sichnoch dort an Herberger.

Christian Scriver, geb. 1629, starb zu Quedlinburg 1693,gehört zwar zunächst den Gegenden der Mittelelbe an, aber seinSeelenschatz macht ihn fiir alle Zeit znm Schatzmeister überdie heiligen Geheimnisse im Reiche Gottes, in leiblicher mitSalz gewürzter Rede. Heinrich Müller als Mecklenburger aufder Flucht in Lübeck 1631 geboren, schon 1650 Prediger inRostock, daß der schüchterne Jüngling sich an den Worten desHerrn znm Jeremias stärken mußte, und schon 1675 gestorben.Die köstlichsten und doch so zahlreichen Schriften Müllers be-stehen in geistlichen Reden, die kürzeren für die Wochenandacht.Es waltet darin ein Scharfsinn der reichsten Entfaltung, eine,die ganze Tiefe des Herzens enthüllende und wieder erfüllendeEmpfindung, eine Phantasie, welche in dem kühnsten Sprungedas Ganze emporträgt, und dies in schöner kernigter Sprache,wo wnnderlieblich in reichster Gliederung, ohne Härte, kurzgeschlossene Sätze, wie edle Perlen sich anreihen, daß Müller,wie Luther, ein wahrer Herr der deutschen Sprache zu nennenist. Für Mecklenburg ist Heinrich Müller Alles in Allem ge-wesen, und noch des Landes alleinige schöne Literatur; aberdie ganze lutherische Kirche hat ihn je und je werth gehalten.Mehr als alle zahlreichen Ausgaben seiner Werke, zeugt fürihn z. B. wie man seine Erquickstnnden, in der Sprache viel-leicht das Vollendetste, nach den Sonntagen zur Benutzung fürPrediger vertheilt hat. Und solchen Männern gegenüber^ dievon den treuen Dogmatikern getragen werden, können nur dieFeinde der lutherischen Kirche von einer starren Orthodoxie spre-chen. Man lese, wie in den Zeiten die Kirchen besucht wurden,auch in Wochentagen, wie in den Häusern bei Hohen und Ge-ringen die Schriften, besonders dieser drei Männer, frommesLeben nährten, da ist das Wort starre Orthodoxie nur einecalvinische Formel, womit es glückte die lutherische Kirche zubekämpfen. Viele deutsche Fürsten, wenn nicht schon calvinisch,wankten auf abschüssigem Wege, den der eitle Menschenverstandso lockend macht. Es schwankten die Häuser Braunschweig undWürtemberg; aber die Gottesgelehrten standen noch unerschüt-