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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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grüne Inseln waren dieje Gemeinden in dem immer hohlerbrausenden Meere des Unglaubens. Zunächst herrschte freilichnoch die Richtung Speners, welche Tausende, von der Hoch-schule Halle nach allen Seiten hin, übertäubend verbreiteten.Mit der Zeit schwächte sich diese Richtung immer selbstischer ab,zumal die flache mathematische Weisheit des Christian von Wolf,starb 1754, Alles handgreiflich machen wollte, und die gottlosenfranzösischen und englischen Schriften übersetzt, den leeren Raumleichtlich einnahmen, welche eine geschmacklose Schriftstellereidarbot. Die Unionsversuche, von Leibnitz betrieben, von Spe-ner gebilligt, verführten schmeichlerisch zu noch größerer Gleich-gültigkeit. Wie ein Wahrzeichen stellte sich Valentin Ernst Lö-scher an der Gränze der treu gläubigen Zeit, geb. 1672, starbals Superintendent in Dresden 1749. Löscher war der wür-dige Träger seiner Kirche, 50 Jahre lang erfaßte er ihr Lebenin seiner Zeitschrift, zuletzt unschuldige Nachrichten genannt, undkämpfte wohlgerüstet und unerschütterlich gegen Pietismus undUnionsversuche. 40 Jahre auf dem Höhepunkte in Dresden,förderten seine Wirksamkeit, und er hielt die Kraft jener beidenFeinde der Kirche, nieder. Leider aber vermochte seine Recht-gläubigkeit, die eben so unerbittlich den Tempel reinigte, als siesich lindiglich hinzugeben wußte, nicht abzuwehren, daß der Un-glaube Lebenssäfte zog, aus dem was Löscher bekämpfte. Fecht,Professor in Rostock, stand ihm kraftvoll zur Seite, so daß inMecklenburg ber Pietismus sich nur in dem Winkel um Dargunfestsetzte. Freilich hatte das Volk sich in Kirche und Haus einegesunde Nahrung an Heinrich Müllers Schriften bewahrt.

Löscher war langehin der letzte, anerkannte Sieger für dielutherische Kirche. Selbst der große Gottesgelehrte Bengel inWürtemberg, bald nach Löscher 1752 gestorben, streifte in seinenForschungen über die Offenbarung an der Grenze des von demHerrn Gestatteten, und frischte damit in etwas die wieder er-mäßigte Lehre vom tausendjährigen Reiche auf. Prediger fandensich zwar einzeln, welche nicht im Glauben wankten, aber ihreStimme ward außerhalb ihrer Gemeinde übertäubt.

Das Vierteljahrhundert gleich nach dem Tode Ludwig desXIV. war so voll Ränke und wüsten Wesens, voll lasterhaftenund doch unkriegerischen Gräuels, daß keine Zeit so anekelt.