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Auf die ersten Jahre wirst noch der Kampf des Sieges gegendie Türken einen Lichtschein, es sind Siege der Christen, undPrinz Eugenius von Savoyen und Belgrad tönten hell, langein dem deutschen Munde. Der Friede zu Passarowitz entrißselbst Serbien den Türken.
Der Herzog von Orleans voll Geist, aber, wie er selbstsagte, gerädert von Ausschweifung, ward Vormund des fünf-jährigen Ludwig XV., als nächster Vetter zum Thron, da Spa-nien ausgeschlossen: das Parlament gab sich hierbei zuerst wie-der Ansehn. Zu allem Elend Frankreichs aus dem Kriege her,raffte ein Jrländer Law durch seine Schwindelei mit einer Bank-und Handelsgesellschaft, alles baare Vermögen zusammen, undließ den Besitzern nichts als ein bald werthloses Papiergeld.Die plötzliche Verarmung vieler Wohlhabenden brachte neues Ver-derben. Das schandbare Leben des Regenten und seines gescheutenMinisters Dübois versenkte alles tiefer in den Sündenschlamm,und verkürzte ihr Leben 1723. Ludwig ward großjährig ge-nannt, ward mit. 15 Jahren vermählt, und schien zum GlückeFrankreichs in schöner Ehe zu gedeihn; da nach wenig Jahrenverführte ihn zur Unzucht sein Erzieher, ein Geistlicher, einGreis von 70 Jahren, der Cardinal Fleury, um völlig herr-schen zu können. O That des Entsetzens! Die Staatsweisheit,die Wirklichkeit Fleury's ersetzte an Frankreich nimmer, wasdas entfesselte Laster zerstörte. Die äußeren Staatshandlungenbewegten sich in Ränken und kriegerischer Bedrohung; vielSchlauheit, wenig Kriegsmuth. Erst 1733 kam es wirklich inEuropa zum Kriege, der aber ganz den Character dieser jäm-merlichen Zeit trug; auch 1735 ohne recht glänzende That en-dete. Doch Ludwig gewann Lothringen, und Spanien, fürseinen Jnfanten Carl/ Neapel. Fleury liebte Frieden, und derKaiser gedachte nur seiner pragmatischen Sanction, und opferteihr viel. Nämlich seit 1713 verfolgte Carl vj. den Gedanken,als letzter Mann seines Stammes, seine älteste Tochter MariaTheresia zur Erbin aller seiner Staaten zu erheben. Er machtedeshalb eine Erbfolge-Ordnung, die pragmatische Sanction,ließ sie von allen seinen Völkern anerkennen, so daß die allmä-lig unter Habsburg vereinten Länder, hierdurch zugleich zu ei-nem Ganzen fester verbunden wurden. Die fremden Staaten