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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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Könige und ihre Abgeordneten lebten im Winter 1814 zu Wienin Lust und unterhändlerischer Ueberlistung. Abermals er-barmte sich der Herr des armen Menschengeschlechts. Bona-parte landete im März . 1815 in Frankreich, und die Mehr-zahl der Krieger schaarte sich jubelnd um ihn, der dem Ehr-geiz stöhnte und zur Beute siihrte. Zwei Männer, Blücherund Wellington, sich wohl bewußt, daß es hier die Sache eineshöheren Herrn gelte, erhielten die Führung des deutschen undenglischen Gegenheeres, und am 17. und 18. Juni verlorBonaparte in Belgien eine Schlacht, vernichtender für ihn, alsdie bei Leipzig. Hiernach kam das Vorbild des Menschen derSünde ins lebenslängliche Gefängniß auf der oceanischenInsel St. Helena.

Europa befand sich jetzt nach 25 Jahren, voll Erfahrung,welche die Seelen hätte umwenden müssen, äußerlich zwar indem Zustande, wie vor der blutigen Revolution, mit Aus-nahme von Deutschland und Polen. Die Polen bekamenunter dem Kaiser von Rußland, als ihrem Könige, bloß soviele, ihnen aber nicht genügende Selbstständigkeit, um, wennsie sich nach ihrer Geschichte erkannt hätten, in Ruhe aus derverderblichen Zügellosigkeit zu einem gediegenen Volke heran-zugestalten. Einem wiedergeborenen Volke wird, einst immervolle Selbstständigkeit zu Theil werden müssen. Aber diePolen begriffen so wenig, wie die andern Völker, was zu einerwahren Freiheit gehört.

Deutschland hatte sich seit dem Frieden zu Rastatt 1802immer mehr nach seinen einzelnen Volksstämmen zusammen-gethan, das Jahr 1815 vollendete dies.

So ward Deutschland nun ein Bundesstaat, in demnur zwei Staaten, Oestreich und Baiern, nicht evangelischwaren, und die Deutschen schienen in ihre geschichtliche Bahnwieder einzulenken.