Zweiter Abschnitt.
(Weitere deutsche Specialgeschichte nach 1648.)
Erstes Kapitel.
Sachsen nach 1648.
Johann Georg l. gab durch sein unbestimmtes TestamentAnlaß, daß neben dem nachfolgenden Churfürsten JohannGeorg II. drei jüngere Söhne die Nebenlinien zn Weißenfels,Mersebnrg und Nauenburg-Zeitz stifteten, wodurch mancherStreit und, in der für Deutschland so besorglichen Zeit, diegeschwächte Macht Sachsens entstand.
Johann Georg II. ward durch Sorglosigkeit und Pracht-liebe seinem Lande kein ersprießlicher Herrscher; er starb 1680.Sein Sohn Johann Georg III., schon in den Kriegen gegenFrankreich ein bewährter Held, half Wien von den Türken1683 befreien, daß seinen Sachsen der Ruhm des Tages zuTheil wurde. Richtig erkannte er Deutschlands gefährlichenFeind in Ludwig XIV., schritt rasch zur That; trieb Holland,sich mit Wilhelm von Oranien und England zu verbindenund stand zuerst mit seinen Sachsen am Rhein, als Frankreich1688 losbrach. Eifersucht der mitwirkenden Kaiserlichen undReichstruppen hemmte seinen Siegeslauf und schon 1696 starber in schönster Manneskraft; zu kriegerisch für das Wohl desLandes, und im Frieden zu lust- und prachtliebend. Vonseinen zwei Söhnen, den riesenkräftigsten, schönsten Fürstenihrer Zeit, folgte Johann Georg IV. zuerst bis 1694, durchunerlaubte Leidenschaft seinem hohen Beruf entfremdet, undwelkte bald dahin. Sein reicher begabter Bruder FriedrichAugust erhielt nach dem Kinderlosen die Chur, und erkauftedie Krone Polens durch Uebertritt zur römischen Kirche. SchwereVerschuldung und Vernachlässigung Sachsens brachte dies Kö-