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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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zu feinen Schriften, das heilige Wort gebrauchten sie nicht,und vor ihnen lag nur eine dunkle Ferne, in der wunderbarwogende Wolken zogen; sie blickten nicht aufwärts, daß siedie Ferne als den Himmel erkannten, um in allem Unerforsch-lichen die auch jedem Einfältigen still leuchtenden Sterne desWortes Gottes zu schauen. Dafür ist Hamann der Anklägerfeiner, den Herrn verleugnenden, Zeitgenossen. Das scheintnoch ein besonderer Beruf Hamanns zu fein, sich der neuenWeltweisheit warnend entgegen zu stellen. Eines Ortes, solltenUmgang und Briefwechsel helfen Kants vermeinte Wahrheitan Christo, der einzigen Wahrheit, zu läutern. Kant muhtesich ab, aus eigenem Geiste den Geist Gottes zu erforschen,welchen nur Gott der heilige Geist erforschen hilft; und stattzu dem demüthigen Bekenntnisse zu gelangen: er wisse nichts,was die tiefdenkendsten Heiden schon ablegten, senkte er sichin bodenlose Tiefe. Im Allgemeinen blieben bu deutschenFürsten müßige Zuschauer bei diesen Jrrgängen der Geister,nur König Friedrich Wilhelm II. von Preußen erließ durchsein Ministerium Wölluer 1788 ein Religionsedict, worin dieGeistlichen strenge an ihr Bekenntniß verwiesen wurden.

Herzog Friedrich Franz von Mecklenburg warnte aber1802 gegen die Gefahren der neuen Philosophie.

Führte dann Fichte auf Kants Bahn weiter zu dem Nichts,so klammerte sich mit Schelling die vom Nichts beängstigteSeele an eine eigene Weltschöpsung, und gerieth damit nochferner ab von der göttlichen Schöpfung. Eine Religion derVerzweiflung würde jetzt schon gewaltiger herein gebrochen sein,wenn nicht Schleiermacher dem Herzen ein Recht auf frommeGefühle erkämpft hätte, neben dem gottesleugnenden Verstände.Dadurch ward der Schaden nur größer, denn nun verklagten(Römer 2, 15.) sich die Gedanken auch nicht mehr unter ein-ander, man täuschte sich über sich selbst. Aber alle Welt wolltesich täuschen lassen. Basedow 1774, ersetzte das Christliche inder Erziehung durch bloß Sittliches; und zum Unsittlichenschlugen seine Versuche um. Wohin die Theologie mit ihrembekrittelnden Streben gelangen müsse, das bildete der ProfessorBahrdt zu Halle, von 1788 au, gotteslästerlich vor. Unter allenBlumen der Kunst lag aber die giftige Schlange.