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Umriß einer christlichen Weltgeschichte / von Friedrich von Maltzan
Entstehung
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Solche Zustände brachte Deutschland in eine Zeit hinein,wo auf der Höhe des Sieges bei Leipzig der Ruf erschallte.-machet die Thore ftjeit- und die Thüren in der Welt hoch, daßder König der -Ehren einziehe (Ps. 24).

Und was geschah nun, dem Herrn Zebaoth, dem einzigenRetter aus aller Noth den Einzug zu bereiten?

Noch immer sind es die geistigen Kräfte eines Volkes ge-wesen, welche die Keime neuer Zustände ausgelegt und derenWachsthum gefördert haben. Von unten auf sind alle solchePflanzen herangewachsen, bis sie in dem Maße das Land über-zogen, daß sie der Verwaltung kenntlich, dann fühlbar wurden,und man sie nun von oben als Dauergewächse behandelte.

So ist auch, was in der nächsten Zeit gewirkt, nur ausder Gesinnung der Mehrzahl hervorgegangen, wenn schon ein-zelne Namen als Schild dienten.

Den Beruf Norddeutschlands für das geistige Leben könnteman daraus erkeunen, wie so nahe der Schlacht bei Leipzigdas dritte Jubelfest der Reformation Luthers 1817 stand. Einredlicher Pastor, Harms in Holstein, erinnerte durch seine Thesendie lutherische Kirche an die rechte Aufgabe für ihr Gedächt-nißfest, und der Däne Grundvig gebrauchte das Schwerdt. desEvangeliums, in seiner, unter dem Namen Weltchronik ver-deutschten Resormationsschrift, um die drei vergangenen Jahr-hunderte des geistigen Lebens scharf und warnend zu zerlegen.Also nicht unbewußt trat man die Feier an.

Wittenberg mit Luthers Ruhestätte war preußisch geworden;dem sächsischen, römisch gewordenen bisherigen Hüter, fehlte jadie nöthige Treue. Preußen ordnete in Wittenberg eine Feier an.200 Jahre hatten nicht ausgereicht in dem Hause Hoheuzollern dieUeberzeugung zu berichtigen, und so mußte über dem Grabe Lu-thers die Union beschlossen werden. Das war die Feier des Lu-thertages, daß die Lehre des Abendmahls, die Luther auch ster-bend bekannte, von denen die in Preußen sich nach ihm nanntenvon nun an verleugnet werden sollte. Man ging freilich allmäligzu Werke; alles sollte freiwillig sein. Die Agende machte danndie Sache klarer, die Geistlichen, ohne die Gemeinden zu be-fragen, waren schon zu weit gegangen, sie drängten vorwärts;der Widerstand galt endlich für Aufruhr, und erlitt alle Gewalt.