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Einleitung.
Epheu und Myrthen gekrönt wurde. Seitdem nannte man ihn imVolke „den Dichter" und auch urkundlich wird er als Dichter undGeschichtschreiber von Padua bezeichnet. Dennoch starb er, in dieParteikämpse der Stadt verwickelt, am 31. Mai 1329 in der Ver-bannung zu Chioggia, aber sein Leib wurde in die Vaterstadt ge-bracht und dort in S. Giustina beigesetzt. So blieb sein Name zuPadua noch lange in gefeiertem Andenken und man zeigte hier dasHaus, in dem der Dichter gewohnt. Aber zum nationalen Rufe,nach dem er gedürstet, gelangte Mussato nicht')
In Stil und Geschmack freilich ist er hinter den Alten nochweit zurückgeblieben. Daß er sie mit Eifer gelesen, giebt sich mehrin einzelnen Reminiscenzen kund, und vielleicht im besseren Bau derPerioden und Verse. Sonst aber erinnert er mehr an die pomphafte,schwülstige und dunkle Ausdrucksweise der hierarchischen Päpste undeines Petrus de Vinea wie an den leichten Redefluß eines Ciceround Sallustius. .Für die Barbarismen des mittelalterlichen Lateinist er noch ohne Gefühl und mischt sie ohne Bedenken unter dieklassischen Phrasen und Bilder. Er findet es nicht geschmacklos, dreiBücher seines großen Geschichtswerkes in heroischen Versen abzufassen,mit antiken und mythologischen Anspielungen zu füllen. Die histo-rische Kunst sucht er in technischen Ausdrücken, die er dem Staatedes alten Rom entlehnt, in pathetisch geschrobenen Reden, in allerleidichterischen Zierereien. Bleibt er somit als Autodidakt eine merk-würdige Erscheinung, so ist er doch zur Ausbildung einer schriftstelle-rischen Individualität nicht gelangt.
Unmittelbar an Mussato schloß sich Ferreto von Vicenza an.Er stand ihm wohl auch im Leben nahe; denn er widmete ihm in
') Der Abriß von Muffato's Leben, den Sicco Polentone in seinem, gro-ßen Buche äs 8oriptoribus latinm gab und den Lluratori Lvriptt. ror. Ital. V. X.p. 1 ssq. mittheilte, beruht vielleicht noch zum Theil auf der Selbstbiographie.Vaeeiolati V»8ti katav. V. II. p. XV. XVI. hat für die Zeit der Dichter-
krönung und des Todes andere Angaben: jene setzt er ins Jahr 1314, diesen aufden 31. Mai 1339. Entscheidend ist die Urkunde vom 9. Juli 1329 bei Olorirrin den ^tti ä. r. I8tit. Venoto 1. VI. 8er. V. p. 45. Sonst haben mich die neuenResultate Gloria's, insbesondere die Interpretation der Verse p. 30 nicht überzeugt.Ueber die Ausgaben der erhaltenen Werke Mussato's ist Löhmor Vonts8 ror. 6srm.öä. I. p. XIX. zu vergleichen und kottbu8t Libliottiovs. Die Notiz über dieBeisetzung in Padua entnehme ich drillst wu8 ?s.8trexieu8 äs oriAirrilni8 rs-rum, Vsnst. 1547, lol. 13. Zur Würdigung Dönniges Kritik der Quellen fürdie Geschichte Heinrichs VII., Berlin 1841, S. 37 ff.