Buch 
Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
Entstehung
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Einleitung.

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von Lützelburg, an Päpste und Republiken betraut. Aber nie erstarbin ihm der innere Beruf des Dichters und Schriftstellers. Er istvielleicht das erste Beispiel einer Natur, in welcher die gewinnbrin-gende Juristerei mit der poetischen Neigung im Zwiespalte lag, wenner auch beides zu vereinigen wußte. Wir werden diesem Conflictim Bildungsgange der Humanisten noch oft begegnen. Mit Gram-matik und Verskunst war Mussato seit seiner Jugend vertraut, ersammelte bald einen kleinen Kreis von Dichtern um sich, unter denender Rechtsanwalt Lovatto') und Bonattino genannt werden. Abersein Ruf blieb zumeist auf den kleinen Kreis seiner Heimath be-schränkt. Bringt er die Erzeugnisse seiner Muse jemand dar, so istes der Bischof von Padua oder die Zunft der Notare daselbst.Mäcene von weiterem Gesichtskreis, welche die Literatur als einenationale Sache aufzufassen vermocht hätten, gab es noch nicht.

Außer den Geschichtswerken, die Mussato's Namen immer in An-sehen erhalten, hat er Tragödien nach dem Vorbilde Seneca's, Epistelnim elegischen Versmaße, Eklogen und sonst Gedichte verschiedener Artgeschrieben, auch philosophische Schriften äs lits untuins st tortuuas,äs vnsibus tortuuas, die doch wohl durch Cicero oder Seneca ange-regt worden. Darin waren sicher nicht Stoffe aus der christlichenMoral abgehandelt. Merkwürdiger noch ist die Nachricht, daß eräs vita st moribus ouis geschrieben. Das würde die erste Selbst-biographie sein, die das Mittelalter kennt, man müßte denn Daute'sNeues Leben" als solche gelten lassen. Leider scheint dieses Buch,wie so viele seiner poetischen und philosophischen Erzeugnisse sonst,verloren. Er ist in solchem Unternehmen der Vorgänger, ja so viel wirwissen, der einzige Vorgänger Petrarca's und es liegt darin eine tiefeBedeutung, daß ein Dichter und Staatsmann einer kleinen Republikselbst dafür Sorge trägt, daß sein Lebenslauf von der Nachwelt nichtvergessen werde. Und auch darin ist er Petrarca's Vorläufer, daßer 1316 auf Betrieb seiner Freunde und Beschluß der Universitätöffentlich und feierlich als Dichter erklärt und mit einem Kranze von

') Er ist es, von dem kstraroa ksr. msmoranä. lib. II. sagt: Iwvatrw?a-tavinrw knit nnper poetarnm omninm, guos iwstra, vel patrnin no8trorum viäitastg.8, laoilliws prineop8, iiisi Inri8 civil!8 8tnäinin awplexu8 enm novsin Urwiscinocloeiin Dadnla8 immi8eni88bt, st aniinuw ai> Ilcliccmiis euri8 aci korsn8vinatrspitnm äoHsxlWst. Denn daß hier nicht Donatus, sondern Lovatus zu lesenist, hat llekn8 Vita ^int)ro8. Dravsr8. p. 232 bewiesen.

Voigt, Humanismus. S. Aust I

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