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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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l. Petrarca's Latinitcit.

Neben diesem großartigen Bemühen, welches von seinen Zeitge-nossen empfunden, wenn auch natürlich nicht mit Reflexion ausge-sprochen wurde, ist die Latinität oder der Ciceronianismus des Stilsnur ein unbedeutender Zusatz. Jenes Streben allein würde Petrarcanicht minder epochemachend erscheinen lassen, wäre auch sein Lateinnoch zehnmal schlechter gewesen. Indeß lag auch die Herstellungeiner reineren und edleren Sprache ihm am Herzen und so sehr erdarin übertreffen worden ist, hat er dennoch Bewundernswürdigesgeleistet. Nur muß man sein Latein nicht neben das eines Politianus,Bembus oder Muretus stellen, sondern neben das mönchische frühererZeiten, welches er selbst gelegentlich mit einem verkrüppelten Baumevergleicht, der weder grüne noch Früchte trage'). Man bedenke, daßer das alte Idiom eigentlich ohne grammatische Grundlage gelerntdenn die elementare wird man so nicht nennen können daß ernur allmählig in den Besitz verschiedener alter Autoren und bessererHandschriften gelangte, daß er allein nach dem alterthümlichen Aus-druck, nicht nach dem des goldenen Zeitalters strebte. Auch liegenseine Schriften meist in einer so verderbten Gestalt vor uns, daßseine Schuld und die späterer Abschreiber und Drucker sür's Erstenicht gesondert werden können. Und wenn er in seinen Werken oftden Rand voll Verbesserungen schrieb und gewaltig am Texte feilte,so ist das eine an sich bedeutungsvolle Erscheinung, gleichviel waser dadurch erreichte.

Von der Freude am süßen Klänge virgilischer Verse und tulliani-scher Rede war Petrarca ausgegangen. Die Schönheit der rhythmi-schen Formen und der melodische Reichthum des klassischen Lateinfesselten ihn immer mehr, je aufmerksamer sein Ohr ihnen lauschteund je emsiger er sich in Nachbildungen versuchte. So mächtig warschon diese erste Berührung mit dem Alterthum, daß seine Bewun-derung ihn ganz in Fesseln schlug, daß sein Schritt wie von Geister-hand vorwärts und immer vorwärts gezogen wurde, bis er mit seinemedelsten Sinnen und Trachten ganz in dieser neuen alten Welt lebteund von hundert Zaubern in ihren Bann geschlagen, ein schwär-

er nach allen Aussetzungen an Petrarca's Stil hinzufügt: huamguaw omniu eins,nsseio guo puoto, sie rnornatL cistsetant.

y Ein Lexioon I'otrarcllicum, gleichsam ein stilistisches Sündenregister, lieferte0. 8. 6kr. 8oknsiäsr in seiner Ausgabe von l'runc. kelrarellas llistoria lluliiOassaris. Inps., 1827. ?roosw. p. XXXXII sg.