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I. Petrarca und Cicero s Schriften.
gespannt machte: wie bedeutend mußte sein Inhalt sein, wenn dieserehrwürdige Mann der Kirche gestand, es habe ihm zu seiner Bekeh-rung und zu seiner Erkenntniß der Wahrheit viel genutzt. Langehatte Petrarca geglaubt, die genannte Schrift Cicero's zu besitzen;nur konnte er durchaus nicht finden, was Augustinns so besonderszu ihr hingezogen haben möchte. Endlich entdeckte er in Augustinns'Werke von der Dreieinigkeit eine jener Schrift entnommene Stelle,von der in seinem Exemplar kein Wort stand. Der Irrthum wurdeihm nun klar: eine falsche Ausschrift seines Buches hatte ihn getäuscht.Aber daß es gleichfalls von Cicero war, darüber ließ ihm „seinehimmlische, unnachahmliche Eloquenz" keinen Zweifel. Später lernteer vermittels eines Codex, den er in Neapel geschenkt erhielt, daßdieses Werk, welches er für das „Lob der Philosophie" gehalten,nichts weiter sei als ein Stück der Academica, und im Aerger überdie Enttäuschung erlaubte er sich über diese letztere Schrift ein ziemlichgeringschätziges Urtheil.')
Nicht vergessen konnte Petrarca den Verlust der Bücher Cicero's„vom Ruhme". Einst erhielt er nämlich von Naimondo Sopranzo,einem alten Curialen, der viele Bücher besaß, aber als Jurist vonFach unter den Autoren des Alterthums nur am Livius seine Freudehatte, einen Band vermischter Schriften zum Geschenk: darunter warenCicero's Bücher „vom Redner" und „von den Gesetzen" in der man-gelhaften Gestalt, in der man sie damals allgemein las, und „die beidenvortrefflichen Bücher vom Ruhme"/) Diesen Band und einen andern,der gleichfalls Schriften Cicero's enthielt und Petrarca ein theuresErbstück von seinem Vater war, lieh er einst seinem alten Lehrer,von dem wir oben erzählt. Die Armuth verleitete diesen zur Un-
') Er nennt sie epist. rer. senil. XV, 1. ein subtile opus insAis guam ns-eessarium ant utils. Ilortis A. 4. (liosrono p. 51 glaubt die Handschrift, diePetrarca getäuscht, indem sie in der That eine» Theil der Xesäsmiea unter demTitel 1>e lauäe pbilosopbias giebt, in einem Inventar der Liblioteea Vise. — 8korr.nachweisen zu können. — Die Nachrichten über Cicero's Schrift äe oonsolationeberuhen ohne Zweifel auch auf einem Irrlicht; vielleicht daß Boctius' Buch auchunter Cicero's Name» abgeschrieben wurde. Wen» Kloster Corbie allein drei Hand-schriften jenes Tractates besaß, wie könnte er verloren gegangen sein! S. vss-ebsmps p. 88. 41. 103.
2) Ganz leichtfertig ist der Bericht Manetti's, der sein Leben Petrarca's umdie Mitte des 15. Jahrhunderts schrieb, sä. Oallstti p. 87, als habe dieser dieBücher vom Ruhme in extrem» ksrs 6srmaniao anAulo abstrus»» gefunden undals seien sie erst »ach Petrarca wieder verloren worden.