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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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I. Petrarca und Cicero's Schriften.

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Bücher gebe, entschloß er sich sofort zum Bleiben. Zwei neue RedenCicero's waren der glückliche Lohn: die eine schrieb er mit eigenerHand ab, die andere copirte ihm ein Freund, beide wurden durchihn in Italien verbreitet.st Wie groß die Gefahr des Verlustes ge-wesen, macht er dadurch anschaulich, daß es ihm in der gewerbreichenund blühenden Stadt viel Mühe gekostet, etwas Tinte aufzutreiben,die noch dazu mehr saffransarben als schwarz war. st Unaufhörlichregte er seine Freunde und Bewunderer an, in den alten Klösternnachzuspüren und bei gelehrten Männern nachzufragen. Nach Romund Tuscien, nach Frankreich und Spanien, nach Deutschland undBritanien schickte er Bitten und Mahnungen, Geldbeträge, Zettel,auf denen er verzeichnet, nach welchen Schriften sein Sinn am meistenstehe. Selbst in Griechenland fragte er nach Werken Cicero's an,erhielt aber statt ihrer einen griechischen Homeros. Oft hatte ernicht die geringste Hoffnung, das Erwünschte zu erhalten, und wolltedurch sein Antreiben nur Nachforschungen veranlassen; oft erhielt ernach begierigem Warten nur solche Schriften, die er bereits in meh-reren Exemplaren besaß, st Fast von jeder größeren Reise brachte erirgend eine Schrift Cicero's mit, die er bis dahin nicht gekannt; vonanderen lernte er nur den Titel kennen und den Verlust betrauern, stAn Cicero's Büchern von der Republik verzweifelte er nach langemvergeblichem Suchen?) Aber die Werkevom Troste" undvom Lobeder Philosophie" meinte er immer noch finden zu müssen. Letztereslas er von Augustinus in einer Weise erwähnt, die ihn aus das Höchste

9 Wohl i» Bezug hierauf erwähnt er sprst. knmil. XIII, 6 p. 238, daß er vonseiner Streifpartie durch Deutschland die Rede Cicero's für den Archias mitgebrachthabe.

9 Lpist. rer. senil. XV, 1.

9 Lpist. rvr. kalllil. III, 18. XVIII, 13. 14. senil. III, 9. XV, 1. Auch derBand mit ciceronischen Schriften, den ihm Boccaccio schickte und den dieser miteigener Hand geschrieben, scheint nur Bekanntes enthalten zu haben, wenngleichPetrarca (epist. rer. kanall. XVIII, 4) höflich von opuseulis oximlis prorsus straris spricht.

9 Her. rnemoranä. Inb. I. (Opp. p. 447).

9 Denn daß er sie besessen, wird doch niemand mehr glauben wollen. Inder Vpolo^in o. dallum nennt er sie nur in der Auszählung aller Schriften Cicero'snebst anderen, die er nie gesehen, gleichwie auch Vurley thut. Trotzdem behauptetenoch Loliio s>. 74, selbst Loscht habe die Bücher cls ropnblloa noch gekannt underst im 15. Jahrhundert seien sie wieder verschwunden. Die aus Lactantius undAugustinus citirten Stellen haben immer wieder getäuscht.