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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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I. Petrarca und die griechische Sprache,

machen, er meinte, sie müßten diesem ein Sporn zu edlem Ruhmes-streben sein').

Früh hatte Petrarca gelernt, daß die Römer, deren Werke ermit Inbrunst las, in der Literatur der Griechen ihre Vorbilder undunerreichten Muster verehrt. Wie viele Hunderte vor ihm haben dasauch gewußt und doch war nie einem der Gedanke gekommen, sich derSprache dieser Griechen, einer fortlebenden und leicht zugänglichenNation zu bemächtigen, um zu den Schätzen ihrer Poesie, Philosophieund Geschichte vordringen zu können, etwa sie der lateinischen Weltin unmittelbarer Uebertragung zuzuführen. Besaß man gleich Ueber-setzungen einzelner Werke des Aristoteles und Chrysostomos, so hattensie doch keinen Trieb erzeugt, Weiteres zu suchen und sich anzueignen.Schon dieser Gedanke als solcher, gedieh er gleich wenig über Ver-such und Sehnsucht hinaus, war eine literarische That von unend-licher Fruchtbarkeit. Denn er führte zur Reception der alten Hellenen-welt in die Bildung des Occidents.

In Italien gab es wohl immer einzelne, die der griechischenSprache kundig waren, zumal in Unteritalien, wo alte kirchliche Zu-sammenhänge, in Venedig und Genua, wo die Handelsbeziehungendieses Bedürfniß erzeugt. Freilich waren das nur Männer der Praxis,nicht Freunde der Literatur, nicht Lehrer. In der Provence aberwar nicht die mindeste Gelegenheit, einen Wunsch, wie ihn Petrarcaim Busen trug, zu befriedigen. Sie ergab sich erst, als 1339 derBasilianermönch Barlaamo, ein Calabrese von Geburt, der aberseit Jahren in Byzanz gelebt, zu Avignou erschien, um im Namendes Kaisers Andronikos mit Papst Benedict XII Verhandlungen überdie kirchliche Union anzuknüpfen. Es sollte ein Concil berufen undauf diesem über das Ausgehen des heiligen Geistes disputirt werden.Aber der Gesandte mußte erst wieder nach Byzanz gehen; es mußtemit anderen Mächten, zumal Frankreich und Neapel verhandelt wer-den, und so zog sich die Sache Jahre lang hin?) Diesen Mannlernte Petrarca kennen und ersah ihn nach seiner Rückkehr 1342 zuseinem Lehrer. Er ergriff in täglichem Unterricht mit großem Eiferdie Elemente der griechischen Sprache, aber sehr bald wurde Bar-laamo zum Bischof des calabrischen Gerace ernannt und mußte Avig-

y Lpi8t. rsi-. lamil. XVIII, 8. XIX, 3. 12.

2) Die Documente bei Naxicaiclns cliiiiLl. eeel. 1339 v. 19. 31. 32.