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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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I. Petrarca und die griechische Sprache.

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non verlassen. Petrarca selbst hatte bei jener Beförderung mitge-wirkt, wohl durch Empfehlung seines Lehrers bei König Robert vonNeapel. Er war noch bei weitem nicht im Stande, sich selbst in derneuen Sprache fortzuhelfen, zumal da es keine grammatikalischen undlexikalischen Hülfsmittel gab. Er bekennt selbst, daß er nur geradean der Milchbrust der griechischen Wissenschaft gelegen.') Aber eshat auch den Anschein, als sei sein Eifer durch den Lehrer, der einaufgeblasener, geschmackloser Theologe war, bereits etwas gedämpftworden. Warum folgte er ihm nicht? er war ja ein freier Mann.Er ergeht sich, wo er von Barlaamo spricht, in sonderbaren Wen-dungen, gleich als müsse er sich entschuldigen, daß er seine griechi-schen Studien nicht glanzvoller abgeschlossen. Mehrmals sagt er, derTod habe ihm den Lehrer genommen, was doch erst fünf Jahre nachdessen Abzug in's calabrische Bisthum geschah. Oder er weiß anihm auszusetzen, daß er der lateinischen Beredsamkeit entbehrt, undfügt selbstgefällig hinzu, daß er darin nach eigenem Geständniß ausdem Umgänge mit dem Schüler selbst nicht wenig gelernt, was dochfür den Unterricht, auf den es ankam, gleichgültig. Boccaccio mitseinem kindlichen Lerneifer hat doch denselben Barlaamo als einenMann von großer Gelehrsamkeit gerühmt. Freilich war es für dengekrönten Dichter eine moralische Ausgabe, sich wieder in die Rolleeines Schülers zu finden. Freilich hätte es ihn noch Anstrengungund Opfer gekostet, bis er zu Verständniß und Genuß hellenischerWerke, oder gar zu den Lorbeeren gelangte, die ihm auf anderemGebiete so schnell und leicht zugefallen. Er begnügte sich daher mitdem Verdienste der Begeisterung und Sehnsucht und überließ an-deren das der energischen Arbeit.

Eine neue Anregung erhielt Petrarca 1353 durch einen vor-nehmen Byzantiner, Nikolaos Sigeros, Prätor von Romania, dergleichfalls nach Aviguon gekommen war, um über die Reunion derGriechen mit der lateinischen Kirche zu verhandeln. Auch ihn hattePetrarca angestachelt, in Byzanz nach den verlorenen Schriften Ci-cero's zu forschen. Die erhielt er nicht, wohl aber schickte ihm Si-geros ein Exemplar der Gesänge Homers als Geschenk. Trotz demkirchlichen Schisma und trotz dem durch Jahrhunderte eingewurzelten

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Noigt, Humanismus. 2. Ausl. I.

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