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I. Petrarca und Homeros.
Hasse reichten sich hier Orient und Occident die freundschaftlicheHand und zmn Bindemittel wird der ehrwürdige Sänger von Jlion.Er ist gleichsam der erste Flüchtling, der vor der drohenden Türken-barbarei im Abendlande Schutz suchte, und trugen ihn auch nichtEngelshände herüber wie das Gnadenhäuschen von Loreto, so wares doch eine ähnliche Verehrung, mit der Petrarca ihn aufnahm.Dieser einzelne Vorfall ist Beginn und Typus einer literarischenWanderung von unberechenbaren Folgen: die hellenische Literatur,mit dem Untergänge bedroht gleich dem byzantinischen Staatskörper,suchte und fand in Italien ein liebevolles Asyl und eine neue Zu-kunft. Petrarca ist mit seinem Homeros, den er kaum lesen konnte,in der Hand, der anregendste Lehrer des Griechischen gewesen. Er-sah das Buch mit Entzücken an, umarmte es und wußte doch nur,wie hoch die Römer, ein Cicero, Horatius und Plinius diese Ge-sänge gehalten. Schon besaß er mehrere Schriften Platon's in grie-chischer Sprache; der erste der Dichter, sagt er, und der erste derPhilosophen hätten bei ihm Wohnung genommen. Er faßte den Muth,jenen Sigeros auch um die Werke des Hesiodos und des Euripideszu bitten und gab die Hoffnung nicht aus, noch einst im höherenAlter Griechisch zu lernen. Zunächst erhielt Boccaccio durch ihn denAnstoß: aus ihn wurde der sehnliche Wunsch verpflanzt, den gefeiertenHomeros in lateinischer Sprache zu besitzen. Petrarca selbst aber be-gnügte sich in seiner vornehmen Art damit, die Anregung zu gebenund das Unternehmen zu patronisiren. Denn das Verdienst, durchLeonzio Pilato eine Uebersetzung Homers, so kahl und armselig siewar, der italienischen Welt zugeführt zu haben, gebührt ohne Zweifelin erster Stelle Boccaccio, legte es gleich Petrarca in zuversichtlichenWorten sich selber bei. Er hat zu dem Zweck ein in Padua käuf-liches Exemplar des griechischen Homeros erworben und sich auf seineKosten ein Exemplar der lateinischen Uebersetzung schreiben lassen,vielleicht auch zum Honorar für den Uebersetzer beigesteuert?) Da-für hatte er nun diese Fundgrube neuer Kenntnisse in seiner Biblio-thek und durfte in seinen Werken Gebrauch davon machen?) Bliebihm gleich Homeros immer noch eine aus der Ferne verehrte Ge-
y Mehr liegt gewiß nicht in den Worten des Briefes an Boccaccio (spist. vor.25): Lt Mine oooptis vostris pro viril! pari« likons ksvso.
2) Wie er das gethan, hat Körtin g S. 47ü gezeigt.