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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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I. Petrarca und Cola.

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vor dem öffentlichen Konsistorium mit Gewandtheit und Feuer, erregteAufsehen, fand vielfache Zustimmung, wenn er das Elend der ver-lassenen Stadt und das wüste Treiben ihrer Adelsfactionen schilderte.Auch mit dem Papste verdarb er es keineswegs: er erhielt eine tröst-liche Antwort, die er frohlockend sogleich nach Rom berichtete, undseine Bitte um das Amt eines Notars der römischen Kammer, dasihn in seiner Dürftigkeit mit einem Gehalte versah, wurde gern er-füllt. Er wird nun als päpstlicher Kämmerer und Familiäre be-zeichnet, nennt sich im Briefe an die Römer aber auch bereits rö-mischen Consul. Damals nun lernte ihn Petrarca kennen, und eswurden Gedanken über Rom, seinen Jammer und seinen neuen Welt-berns zwischen ihnen ausgetauscht. Einst, wie sie vor der Pforteeiner alten Kirche standen, entwickelte Cola mit glühendem Eifer undin hohen Worten seinen Plan, die Herrlichkeit des alten Rom wieder-aufzurichten. Der Dichter bebte bei diesem Wiederhall stiner eigenenGefühle, wie er ihn aus dem Munde eines Mannes vernahm, derentschlossen war, zur großen That zu schreiten. Mir ist, schreibt erihm bald daraus, als wäre ein Orakel aus dem Heiligthum erschollenund als Hütte ich Gott gehört, nicht einen Menschen. So oft ichmich Deiner Worte erinnere, steigt mir die Trauer in die Augenund der Schmerz in die Seele. Mein Herz löst sich bei der Erinne-rung in männliche Thränen. Schwankend zwischen Verzweiflungund Hoffnung sage ich: O wenn je wenn es in meinen Tagengeschähe o wenn ich meinen Antheil hätte an dem herrlichen Werkund an dem hohen Ruhm!')

So verschieden der Lebens- und Bildungsgang der beiden war,die dort in Avignon zusammentrafen, so sind doch manche der Ele-mente dieselben und erklären leicht die Wahlverwandtschaft der Geister.Auch Cola hatte seine Gedankenwelt früh durch Lesung des Livius,Sallustius und Valerius Maximus genährt und erweitert; Cicero

i) Die epist. sins tit. 6 (nach der edit. Lasii.) und bei Uraeassstti imclppenä. litt. (vol. III) epist. 2, amioo suo adresfirt, wird ohne Zrpeifel richtig aufCola bezogen und ins Jahr 1343 gelegt. Wir verstehen nun, wie Petrarca in derepist. Moolaruu I>aurentii kortatoria (bei liraeassstti epist. var. 48 p. 427)sagt: Dsstis sgo sibi sum, ssmpsr sum Iioe, guoä tanäsin psperit, sub prae-eordiis iurdnisso, und im Briefe an Nelli später (1352): ut gui in iilo viro uiti-main iibertatis Italiens spem posueraw, guorn äin ante midi epznitum di-leotniugus eto. und dann: ssu sola vstsris eisgus ipsis in ioeis (zu Avignon,wo Cola jetzt gefangen saß) eontraetas olim awieitias wemoria.