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I. Petrarca und Cola.
und Seneca waren ihm nicht fremd. Obwohl ein armseliger Notarvon Beruf, hatte er für die Künste der Rhetorik, für Aufputz undPomp der Worte einen lebhaften Sinn, dem freilich der Geschmacknicht entsprach, st Wir haben von ihm aus der Zeit seiner politischenLaufbahn eine Reihe von Briefen, darunter mehrere im Umfangekleiner Abhandlungen. Welchen Werth er aus diese Producte feinerFeder legte, sehen wir daraus, daß er nach der Praxis, wie sieauch Petrarca und andere Schriftsteller übten, Entwürfe und Ko-pien sorgfältig zurückbehielt, st Allerdings läßt seine Schreib-weise nicht erkennen, daß er von den Klassikern gelernt: sieist voll der schrecklichsten Wörter aus dem Notariat und der Scho-lastik, überkünstelt und gedunsen, nicht selten ganz unverständlich.Sie spiegelt alle die bunten Elemente wieder, die in verworrenerMischung überhanpt seine Natur ausmachen. Sie zeigt den Mann,wie er war, mit seinen sentimentalen wie seinen anspruchsvollen Im-pulsen, und so verstehen wir wohl, wie sie einen Petrarca sympathischanzog, st Aus einem anderen Gebiete des Wissens aber suchte sichCola seine eigene Bahn. Wie seine Träume den Heldengestalten desalten Rom nachhingen, wurde auch sein Blick von den Trümmernund Resten der alten Stadt mächtig angezogen, die seit vielen Jahr-hunderten kaum irgend jemand der Beachtung gewürdigt. Er be-mühte sich, die alten Inschriften an den Mauern, auf Gemmen undMünzen zu lesen; er verstand die Statuen und Ruinen Roms undder Umgegend zu deuten. Ja es ist wohl kein Zweifel mehr, daßdie erste „Beschreibung der Stadt Rom und ihrer Herrlichkeit", dieseit den alten Nirnbilin ausgestellt, daß, diesem Werke eingefügt, dieerste literarische Sammlung der Inschriften Roms, die seit dem 9.Jahrhundert, seit der Arbeit des alamannischen Wallfahrers zusam-mengebracht worden, keinen anderen Verfasser haben als den berühm-ten Tribunen, st Somit steht Cola als genialer Begründer eines
y Der Verfasser der Vita äi 6ola 61 Nionro 1,1b. I oap. 1 sagt: Pu äa suaAiovsntuäius nutrieatc» cii latts ä'slognenrs.; dnono Zraminatioo, mezliors roto-rieo,aritc>rista dnono.
2) Petrarca lobt dieses Verfahren in der epist. var. 38 an Cola.
3) Lpist. ror. tamil. XIII, 6: Xieolans Panrsntii vir laounäissimns est staä psransäsnänm sIÜLax st aä orstoriam pronn8, äiotator (litterarnm) gnognsänlois ao Iepiän8, non mnltao guiäain, sscl 8navis eoloratasgno osntentias.
4) Den scharfsinnigen und schönen Beweis G. B. de Rossi's im LnIIstinoäell' In8tituto äi oorr. arok. per I'anno 1871, Koma 1871, p. 13 8o^. acceptirten