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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Perotti.

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Bildnern seines Geistes aufführt. Wir hören nämlich durch Ves-pasiano, daß er einige Jahre lang zu Ferrara unter dessen Leitungstudirt, daß er als armer junger Mann von einem vornehmen Eng-länder, William Gray, dem nachmaligen Bischöfe von Ely, der seinerBildung gleichfalls bei Gnarino die letzte Feile zu erwerben wünschte,ins Haus aufgenommen und reichlich mit den Mitteln des Studiumsversehen worden. Als Gray von seinem Könige den Auftrag erhielt,nach Rom als Procurator der Krone zu gehen, nahm er den armen' Perotti mit sich und wußte ihm, da dieser sich nach einer vollendetengriechischen Sprachbildung sehnte, einen Dienst im Hause Bessarionszu verschaffen. Die Angabe, daß Perotti zwanzigjährig in diesenDienst getreten, ist mit seinen eigenen Notizen aus seinem Jugend-leben recht wohl vereinbarst.

Mit Bessarion, der eben damals seine Legation in Bologna an-trat, übersiedelte auch Perotti dorthin. Seine Stellung war oderwurde doch alsbald die eines Hausmeisters, durch dessen Hand dieweltlichen Geschäfte des Cardinais gingen, ein Vertrauensamt, wiees einst Parentucelli so viele Jahre lang bei Cardinal Albergati be-kleidet, und zugleich war Perotti seinem büchersammelnden Mäcen,was Tortello dem Papste war. Er muß in Bologna eine unglaub-liche Thätigkeit entfaltet haben. Als Scholar, wie er es nach Jahrenund Bildungsgang immer noch war, setzte er an der Hochschule seineStudien fort und gab sich der Theologie mit solchem Eifer hin, daßer sich später auch als theologischer Schriftsteller hervorthun konnte.Mit größerer Liebe noch widmete er sich Tag und Nacht den grie-chischen Studien, wozu die Gelegenheit gerade in diesem Hausegünstiger war als in jedem andern. Dabei aber lehrte er auch schon1451 an der Universität über Rhetorik und Poesie. Als KönigFriedrich III im Januar 1452 auf der Fahrt zur Kaiserkrönung undHochzeit durch Bologna kam, hielt der junge Perotti im Namen derStadt eine elegante "Begrüßungsrede, die ihm ein Dichterdiplom, einPfalzgrafenpatent und den Titel eines kaiserlichen Rathes einbrachtest.Aber sein Glück machte er dadurch, daß Papst Nicolaus ihm die Ueber-setzung des Polybtos auftrug. Als er das erste Buch derselben ein-

>) Vs8pÄ8is,no Larclilials Mosüo H 4, Vvsoovo 8ipontillo §1, Vsseovd4'LIx § 2.

2) Die Rede bei 41 b. cis Llai-Mritri, pootiea, Horimk. 1472 lol. 414.S. G. Voigt Pius II Bd. II S. 38.