V. Die Uebersetzung aus dem Griechische».
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wie Pier Candido Decembrio suchte sich seinem Brodherrn, demHerzoge Filippo von Mailand dadurch zu empfehlen, daß er ihmdas Geschichtsbuch des Curtius und Suetonius' Leben des JuliusCäsar in der Volkssprache darbrachte'). Der übermüthige Filelfofand die Zumuthung desselben Herzogs, ihm im Volgare die Gött-liche Komödie zu erklären, so entwürdigend und abgeschmackt, daßer, obwohl gehorchend, seinen Aerger darüber auch dem Herzoge selbstnicht verhehltes.
Ein unvergleichlich höheres Verdienst wurde der Uebersetzungaus dem Griechischen beigelegt. Das war gelehrte Arbeit und vornehmnur für Gelehrte berechnet. Denn daß jemals ein Humanist ausder Wolkenhöhc des Griechischen bis zum Volgare herabgestiegenwäre, dafür wüßten wir auch nicht ein einziges Beispiel anzuführen.Hier erschien ein elegantes Latein als das allein würdige Kleid, undschon dadurch wurde die Zahl derer beschränkt, die als Concurrentenauftreten durften. Ferner waren nur wenige so glücklich gewesen,die griechische Sprache in Griechenland selbst oder aus erster Handvon einem'Griechen zu lernen, der sie wirklich verstand und dieWerke ihrer alten Literatur zu schätzen wußte. Noch wenigere be-saßen eine erträgliche Zahl griechischer Klassiker; es wird jedesmalals etwas besonderes bemerkt, wenn jemand unter seinen Büchernauch griechische hatte. Bei vielen, die als Kenner der griechischenSprache gepriesen wurden, reichte diese Kenntniß kaum über dashinaus, was bei uns der Schulunterricht zu Wege bringt, und dabeientbehrte sie noch der sicheren Fundamentirung. Männer wie Poggiound Valla fühlten sich in einem hellenischen Schriftsteller durchausnicht fest; ein angesehener Hellenist wie Francesco Barbars las dieSchriften des Aristoteles doch lieber in einer lateinischen UebersetzungEin griechisches Buch fertig lesen, griechisch schreiben und sprechen
') S. Bd. I S. 5l5. Daß nach Aanelli II pontsties Moolü V ein vati-kanischer Codex die Commentarien Cäsar's in Decembrio's Uebersetzung enthalte,ist wohl ein Irrthum.
-) S. Bd. I S. 518. Mehr als skizzierende Andeutungen habe ich in diesemAbschnitte nicht geben wollen. Wohl findet man in Bandini's Katalog derLaurenziana (D. V. Vataloßim oollrl'. Ital.) noch manche weitere Uebersetzungenklassischer Autoren in die Bulgarsprache verzeichnet. Bei den meiste» aber wirdnicht einmal der Name des Uebersetzers genannt, wohl ein Beweis, daß dieser vonder Arbeit keinen Ruhm erwartete.
3) ek. epist. 122 oll. Huirino.
V oigt, Hm»i»i!s»»ls. L. Allst. II.
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