162 V. Die Uebersehnng aus dem Griechischen.
zu können, zugleich auch des eleganten Latein in Vers und Prosavöllig mächtig zu sein, das war eigentlich nur dem Filelfo gegeben;darum fühlte er sich auch in unmäßigem Stolz als den König derLiteraten und sah mit tiefer Verachtung auf die Ungebildeten herab,die kein Griechisch verstanden oder doch nur schülerhaft aus demGriechischen übersetzten'). Aber die philosophische Bildung, ohne dieman sich einen Uebersetzer des Platon oder Aristoteles nicht denkenkonnte, fehlte ihm so gut wie Guarino, der ihm sonst wohl unterden Abendländern am nächsten stand. Den Griechen wie Trapezuntios,Gaza, Bessarion traute man sie wohl zu, aber sie erreichten wiederim lateinischen Idiom niemals die leichte Beweglichkeit, wie sie Fi-lelfo eigen war. Die Kenntniß des Griechischen war noch keineswegseine verbreitete. Sie war seit Chrysoloras auf Hemmnisse und Schwie-rigkeiten gestoßen, die nur sehr langsam überwunden wurden. Selbstdie Druckerkunft hat der hellenischen Bildung nicht die schnellenFlügel geben können, mit denen die lateinische sich, sobald jene Kunstin Italien verbreitet war, über die civilisirte Erde schwang.
So bedurfte die griechische Literatur durchaus noch eines Mediums,um in die humane Bildung übergehen zu können. Es gab aberdoch bereits lateinisch geschulte Fürsten und Mäcene, in denen eineTheilnahme für die literarischen Schätze von Hellas, ja eine Sehnsuchtnach ihnen erweckt worden war, die nur auf dem Wege der Uebersetznng befriedigt werden konnte. Denn Männer wie Cosimo Me-dici und Alfonso von Neapel waren der griechischen Sprache ganzunkundig, und trotz den entgegenstehenden Versicherungen einigerHosschmeichler glauben wir uns zu der Annahme berechtigt, PapstNicolaus habe vom Griechischen sehr wenig oder nichts verstanden.Aber auch zahlreiche andere wünschten die griechischen Autoren leichterund übersichtlicher zu genießen, als wenn sie sich erst durch Wortsormenund Unverständlichkeiten, durch fehlerhafte Handschriften und mangel-hafte Hülfsmittel hindurchkämpsen mußten. Darum der sonst unbe-greifliche Werth, der auf die Arbeit des Uebersetzens gelegt wurde fl.Es lag ein gewisser Stolz in dem Gefühl, den geistigen Schatz der
>) Bergt, sein an Tommaso Tebaldo gerichtetes und sein In viognii Oa-rrsei(Isprnvntorss überschriebenes Epigramm bei II os mini Vitn cti kilstko D. IIIp. 163. 164.
2) Darüber spricht sich z. B. Franc. Barbara epist. 127 sä. tzuirinop. 185 sq. i» bedeutsamer Weise aus.