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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
Entstehung
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V. Vergerio's Arrianos.

aus dem literarischen Verkehr in das ferne Ungarnland verschlagen.Es kam dann in die Hand des Enea Silvio de' Piccolomini, der esim Jahre 1454 dem Könige Alfonso von Neapel verehrte'). Beidiesem erweckten die Thaten Alerander's des Großen keine geringeNeugier. AIs man aber begann, in Gegenwart der Hofgelehrtenaus dem Buche vorzulesen, fand man die Sprache so ungeschickt undungenießbar, daß jedermann der Entschuldigung des Piccolominibeipflichtete, als habe Vergerio eben dem Verständnisse des kaiserlichenBarbaren angemessen geschrieben. Alfonso gab dem BartolomeoFazio den Auftrag, die Uebersetzung zu revidiren, zu stilisiren undzu feilen, bis sie des großen Makedoners und der königlichen Ohrenwürdig sei. Es scheint, daß Fazio wenig von der griechischen Spracheverstand. Aber das machte ihn nicht verlegen, er sollte ja nur einlesbares Buch herstellen. Hier und dort zog er andere zu Rathe,Niceolo Sagundino und Theodoros von Thessalonike, sonst aber ließer weg, was ihm nicht paßte, setzte zu und änderte, wo es ihm gutschien, kurz er verfuhr mit dem Arrianos, um mit der Indignationeines späteren Herausgebers dieses Autors zu sprechen, wie ein Esel,wenn man die Albernheiten, wie ein Räuber, wenn man die unver-schämten Willkürlichkeiten in Betracht zieht. Dennoch hat man denArrianos lange Zeit in diesersehr angenehmen" Uebersetzung ge-lesen und sogar gedruckt^). Aehnliche Arbeiten dürften in nicht ge-ringer Zahl zum Vorschein kommen, wenn man die für Fürstenund Mäcene geschriebenen Bücher genauer zu prüfen sich die Mühenähme.

Guarino, nicht nur selbst des Chrysoloras Schüler, auch derFortsetzer seiner Schule im Abendlande, legte stets auf die Trans-lation als Uebung in beiden Sprachen und als Bereicherung derlateinischen Literatur einen hohen Werth. Dennoch hatte er selbst,bevor die Aufforderung Nicolaus' V ihn traf, seine Kraft immernur an kleinere und leichtere Stücke gesetzt. Zu Größerem ließ seinEifer im Unterrichten, zu Aristoteles und Platon wohl auch die

1) Die Briefe des Aeneas Sylvius an den König und an Beccadelli v. 26.und 27. Januar und an letzteren v. 29 Juni 1454 im 606. w8. 3389 der wienerHofbibliothek.

2) 1?aviu8 äs vir. illustr. p. 8 und Llslin8 6. liHi Soriptrr vor der Aus-gabe dieses Werkes p. XXXXIV «q., meistens nach einem Briefe des ZeitgenossenJacopo Curlo.