V. Weitere Uebersehungen vor Nikolaus V.
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stiglionchio. Er hat eine bedeutende Zahl von kleineren Sachenübersetzt, Werke des Lnkianos und Lenophon, vor allem aber 13 Bio-graphien des Plntarchos, alles in so zierlichem Latein, daß man ihmeine schöne literarische Zukunft weissagte, die nur sein früher Todabschnitt. Da er arm war, gaben gerade jene Kleinigkeiten die Ge-legenheit, sich durch zahlreiche Widmungen hohen Gönnern zu em-pfehlen, unter denen wir Papst Eugen IV, Cosimo Medici, die Car-dinäle Vitelleschi, Cesarini, Orsini und den Herzog von Glocesterfinden ft.
Was sonst von Uebersetzungen vor der Zeit Nicolaus' V geliefertwurde, steht entweder im Zusammenhange mit Chrysoloras und denflorentinischen Bestrebungen, oder es sind vereinzelte Arbeiten, dieaußerhalb des großen literarischen Verkehrs blieben. So war UbertoDecembrio noch ein unmittelbarer Schüler des Chrysoloras, undman darf es zugleich als einen Act der Pietät betrachten, wenn erPlaton's Republik, die sein Lehrer Wort für Wort übersetzt, stilistischzu runden und lesbar zu machen suchte. Doch schloß erst sein SohnPier Candido die Arbeit ab und machte das Werk zur Veröffent-lichung reis. Beifall und Verbreitung fand es freilich nicht, wassich schon aus seiner Entstehung erklärt; Pier Candido mußte esgegen einen Rivalen vertheidigen, der aber auch mit seiner Arbeitkeine Ehre einlegteft. Wie Agapito Cenci, der römische Schülerdes Chrysoloras, in der Muße zu Konstanz ein Werkchen des RednersAristcides übertrug, ist oben erzählt. Aber an größeren Ausgabender Art hat er sich nie versucht. Auch Pier Paolo Vergeriohatte seine Liebe zu den schönen Wissenschaften in Florenz eingesogenund dort den Unterricht des Chrysoloras genossen. Der von ihmübersetzte Arrianos hat sich niemals zur Geltung bringen können,aber merkwürdig ist das Schicksal dieses Buches. Vergerio hatte esKaiser Sigmund dem Lützelburger gewidmet und mit diesem war es
y S. Bd. I S. 369 und oben S. 37. Dreizehn Viten des Plutarchos giebtNoeoliins INoAia dallotti i>. 15 an, aus Ilanrlini 6atal. eollll. tat. dibl.Imuront. D. II p. 741. 742. D. III p. 359 wüßten wir nur zehn nachzuweisen,rlmdros. Dravers. opmt. XIII, 2. XXV, 36.
2) S. Vd. I S. 505. Ueber die Uebersetzung des Antonio Cassarino vonPalermo, die ich in Handschriftenverzeichnissen nirgend aufgeführt fand, s. Uon-xiloi'v Nibl. 8icul» 1. I p. 58 und 8axius Ilmt. lit. i-^p. üleiliol. p. 295.Dieser Cassarino soll zehn Jahre lang in Byzanz Rhetorik gelehrt haben und 1444zu Genua bei einem Aufruhr umgekommen sein.
Borgt, Humanismus. 2. Aufl. II.
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