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Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
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V. Übersetzungen für Nicolaus V. Homeros.

Widmung bloßgestellt zu sehen. Denn nach Jahren brachte es Andreas,der Sohn des Trapezuntiers, der es im Nachlasse seines Vaters vor-fand, dem Papste Sixtus IV als noch nicht veröffentlicht barst. Auchdes Handbüchleins des Epiktetos, das Perotti dem Papste wid-mete, haben wir bereits gedacht. Nicht minder der Briefe desHip-pokrates, mit denen Rinucci die Gunst des Papstes erprobtest.Lauro Quirini nahte sich mit einer kleinen Uebersetzung, und derjunge Lapo da Castiglionchio eignete dem Papste Lenophon's Gesprächüber die Haushaltungskunst zu st. So erkennen wir den Zudrangauch der Größen zweiten Ranges zur lohnenden Arbeit und dürfenvermuthen, daß der frühe Tod des Papstes manche Hoffnung derArt abgeschnitten.

Wenden wir uns nun aber zu der Aufgabe, die dem Papst alsdie Krone der Uebersetzerkunst erschien, die sein sehnlicher Wunschbis an den Tod war. Hatten Griechen und Römer den Homerosals den Fürsten aller Dichter gepriesen, wer gab ihn den Lateinernwürdig im heroischen Versmaße? Denn daß der sogenannte Pindarusvon Theben nicht dem wirklichen Homeros entspreche, wußte manrecht wohl, und mit einer wörtlichen Transscription wie der desLeonzio Pilato, die weder Dichtung noch Latein war, wollte mansich auch nicht mehr begnügen st. Dennoch ging von diesem VerdienstePetrarca's und Boccaccio's der weitepe Anstoß aus, indem die Sehn-sucht nach dem lateinischen Homeros, gerade wie die nach dem la-teinischen Platon, aus Salutato und Bruni übersprang und in Florenzlebendig blieb. Salutato suchte den jungen Dichter Antonio Loschi zubewegen, die rohe Uebertragung Pilato's in ein heroisches Gedicht großenStils umzuwandeln. Er versicherte, daß er sich in seinen Jünglings-jahren selbst dieser hohen Aufgabe unterzogen haben würde, wäre ihmdamals jene Grundlage bekannt geworden. Loschi verstand so wenigGriechisch wie Salutato selbst. Aber das hielt letzterer auch nichtfür nöthig. Er meinte, Loschi dürfe nur den Glanz und die Ma-jestät der Worte steigern, daß sie voller und herrlicher tönen, er möge

') S- oben S. 144- Ilnnrlini I. e. 1. II p. 71.

2) S. oben S. 13N. 85.

LIittarelli Libl. eodü. >n8. 8. Midi. Vsnct. ;>. 982. Ilnnrlini Rikl.1>sop. Imnrvnt. '1. II p. 888.

4) S. oben S- 112.