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V. Erwerb griechischer Bücher.
und Staub auf den pergamentenen Bänden, die aus dem Türken-lande herüberkamen, war dem Papste ein froherer Anblick als diegriechischen Gesandten, die mit der Bitte um Geld und Hülfe vorihn traten. Griechenland, tröstete sich der Humanist, geht nicht unter,es wandert nur nach Italien herüber. Die griechischen Bücher bliebentrotzdem noch lange Zeit sehr selten und kostbar, weil der Copist einGelehrter sein mußte und ein Gelehrter sich ungern zum Copiren be-quemte. Guarino, der seit den Tagen des Chrysoloras griechischeWerke gesammelt, konnte die Problemata des Aristoteles und dieAphorismen des Hippokrates nicht erlangen, er wandte sich nach Flo-renz an Poggio; 'auch dieser wußte nur von einem Exemplar derProblemata, welches Papst Nicolaus besaß und aus welchem Gazaübersetzte, wegen der Aphorismen wußte auch er keinen Rath. DieProblemata aber hatte erst kürzlich Perotti für den Papst durch Ver-mittelung des Kardinals Bessarion nebst einigen anderen griechischenHandschriften gekauft; er bemerkt, daß man dergleichen nur schwerantreffe und jährlich höchstens vier bis fünf gute griechische Bücheraustreiben könne'). Aber er hatte auch schwerlich Verbindungen wieAurispa, der in Venedig für den Papst einkaufte. Ehedem warByzanz ein unerschöpflicher Markt für solche Geschäfte gewesen, ausdem Aurispa in jüngeren Jahren Kisten voll Bücher erworben. Dashatte sich seit der türkischen Eroberung anders gestaltet. Die Masseder Bücher, die dort zu Grunde gegangen, schätzte Cardinal Jsidoros,freilich wohl im Eindruck des ersten Schmerzes und sehr willkürlich,auf 120,000 Bände"). Auch war Byzanz für die christlichen Kauf-leute und Agenten zunächst kaum zugänglich. In Griechenland undaus den Inseln mußte man die Bücher mühsamer zusammensuchen,und in Gclegenheitskäufen waren die Venetianer und Florentinerdem Papste voraus. Aber es fehlte diesem doch auch nicht an rüh-rigen Händen. So zog in seinem Auftrage der Grieche ZoannesSkutariota einher, um griechische Werke zu suchen oder doch, wosie nicht käuflich waren, abzuschreiben. Es ist bezeichnend, daß diesersich in vielen Fällen aus Florenz, die Medici, ihre Freunde und dieLibrerie von S. Marco angewiesen sah"). Auch hebräische Bücher
') Sei» Brief an den Papst bei 2aneIIi II pontsüeo Meolo V p. 96.
'0 Brief des Laura Quirini an den Papst von 1453 bei Iloüius p. 192.
y Breve des Papstes an Costma Medici vom 5. Febr. 1454 bei 1'nbi-onin8Oosnri vil» vol. II p. 222.