V. Die päpstliche Bibliothek.
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begann man nun zu sammeln, besonders war der Papst nach demhebräischen Matthäus-Evangelium begierig, für dessen Auffindung er5000 Ducaten aussetztest.
Man sieht aus dem allen wieder, daß Nicolaus mehr das Büchcr-sammeln und das Büchermachen liebte als unmittelbar die Förderungder Geister, und so war auch der Endzweck seiner Bestrebungen diepäpstliche Bibliothek. Sein Name sollte einst neben denen einesPtolemaios Philadelphos und eines Trajanus glänzen. Vielleichtwar er selbst in jüngeren Jahren der Meinung gewesen, Florenz seizum Archive der alten Welt vorzugsweise berufen, aber es ist auchnatürlich, daß auf dem apostolischen Stuhle Rom ihm als der wür-digste Ort erschien. Hier gedachte er mit großartigen Mitteln in derbegrenzten Zeit eines Pontificates zu Stande zu bringen, was inFlorenz die Energie eines einzigen Mannes, der freilich sein Lebendarauf verwendete, so glücklich geschaffen, eine dem öffentlichen Nutzengewidmete Centralstelle der Bücherwelt. Sie sollte den Prälaten derCurie und den Gelehrten Rom's zu bereitem Gebrauche dienen, demvaticanischen Palaste zur schönsten Zierde gereichen und Rom fürewige Zeiten zum Mittelpunkte der Wissenschaft erheben.
Man darf Nicolaus V immerhin als den Stifter der vaticani-schen Bibliothek bezeichnen, obwohl sie vor ihm bestanden hat underst nach ihm eine öffentliche geworden ist. Bücher für den Ge-schäftsgebrauch und private Bibliotheken haben die Päpste, unter denenja gelehrte Theologen und Kanonisten in großer Zahl waren, ohneZweifel zu allen Zeiten gehabt. Aber solche Sammlungen, die nachdem Tode der Besitzer an ihre Verwandten fielen, wurden meist wie-der verzettelt. So war Benedict XIII in Avignon ein eifriger Lieb-haber und Sammler von Büchern, kirchlichen wie auch klassischen.Einer seiner Familiären, der in besonderer Gunst stand, war derBibliothekar st. Ein großer Theil dieser Bücher soll später in dieColbertsche Bibliothek nach Paris gekommen sein. .Jene Bücher-sammlung, die Martin V von Avignon nach Rom schaffen ließ, warohne Zweifel nicht mehr als der zum Geschästsleben nothwendige
') Llanvtti p. 926. klatiira, in vita Meolai V.
2) dlioolai äs OlemanAÜs epist. 38 (Opp. oä. I^rlins): enram eztbikliotlloeae apostolioas sortitns, rpram optimal» atquo nborrimain Iialiet ponti-
ksx gui-colliZLndornin «Aro^iornm livroi-nm rrvirlissimrrs. Damals verlangte
der Papst nach den Briefen des jüngeren Plinins.