206
V. Die päpstliche Bibliothek.
Apparat. Noch zu den Zeiten Eugen's IV waren die römischen Bi-bliotheken unbedeutender und verwahrloseter, als Städte und Höfezweiten oder dritten Ranges sie ausweisen konnten. Travcrsari hatsie durchmustert: von der päpstlichen und der zu S. Peter gehörigensagt er ausdrücklich, daß er nichts von erheblichem Werthe darin ge-funden ').
Bekanntlich war Rom seit den Zeiten des heiligen Bonifaciusund noch im Beginn des 14. Jahrhunderts der größte Büchermarktfür die lateinische Welt gewesen. Aber damit war es vorbei, seit diePäpste die Stadt verlassen und der Verwilderung anheimgegeben.Die geistigen Interessen waren wie eingestorben, die Universität gabin ihrem Winterschlafe nur selten ein Lebenszeichen von sich. So er-klärt sich die Klage der Humanisten über den Mangel an Büchern,Bücherschreibern, ja an Pergament in Rom. Im Jahre 1444 wolltesich Enea Piccolomini, der fern in Oesterreich weilte, durch einenrömischen Freund die Politik des Aristoteles in Bruni's Uebertra-gung verschaffen. Zu kaufen waren solche Bücher in Rom nicht, zu-mal heidnische nicht, wie der Freund bemerkte, der nur mit Mühebei Cardinal Colonna das Buch und mit weiterer Mühe einenbrauchbaren Schreiber anstrieb, aber der Piccolomini mußte sich miteinem Exemplar auf Papier begnügen^). Noch in der Zeit Nico-laus' V hören wir, wie in Rom große Noth an Schreibern sei; diees gab, waren meistens Deutsche oder Franzosen^). Wir erkennenauch hier: die Liebhaberei des Papstes entsproß nicht dem BodenRoms und nicht dem Boden der Curie, sie war fremdes, florentini-sches Gewächs.
Soviel wir sehen, standen die Bücher des Papstes in zwei ge-sonderten Räumen: die einen bildeten den Grundstock einer öffent-lichen Bibliothek, für die ein würdiger Ban vielleicht noch geschaffenwerden sollte, die anderen standen im persönlichen Gemache desPapstes. Auch jene betrachtete er ohne Zweifel als sein Eigenthum,diese aber waren seine eigensten Schätze. Unter letzteren fand manzur Zeit, als er starb, die Uebersetznngen, auf die er so stolz war,in den Prachtbänden, mit denen sie ihm gewidmet oder überreichtworden, meist in Carmoisin und mit Silber beschlagen: Poggio's
>) Vrnbro 8. ?r'g.vvr8. V,rl8t. VIII, 42. 43. XI, 21.
2) Brief des Giov. Campisio an Enea vorn 7. Februar 1444.
3) Brief Carlo Medici's von 1455 bei 6-r^e OartsMv I p. 163.