Buch 
Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus / von Georg Voigt
Entstehung
JPEG-Download
 

V. Die päpstliche Bibliothek. Die Universität zu Rom. 209

Wissenschaften aber ganz unberührt geblieben, konnte sich nicht genugwundern, als er die Bibliothek seines Vorgängers betrat und dieprunkenden Bände mit den Gold- und Silberbeschlägen sah: Ja,sagte er, darin hat er nun die Schätze der Kirche verschwendet! Einpaar hundert griechische Codices, die er für ganz nutzlose Spielereihielt, schenkte er dem alten Cardinal Jfidoros von Rußland, vondessen Familiären sie bald verzettelt wurden. Von anderen ließ erdie silbernen Zierden abnehmen pnd für seinen Lieblingsgedanken,den Türkenkrieg, in die Münze wandern'). Auch Pins II undPaulus II hatten für den Plan ihres Vorgängers kein Herz. DerBegründer der Vaticana als eines dauernden Instituts mit festenOrdnungen war erst Sirius IV. Er gab der Anstalt eine Organi-sation und regelmäßige Fonds. Zu ihrem Präsecten ernannte ereinen Gelehrten von klassischer Bildung, Giandrea Bussi, dennachmaligen Bischof von Aleria, wohlbekannt aus der Geschichte derklassischen Editionen, dann seit 1475 den nicht minder berühmtenPlatina. Und doch hat Sixtus nur die Anordnungen getroffen,die Nicolaus vorbereitet, so wie dieser wiederum den Grundgedankenvon Niccoli, dem florentinischen Privatmann, und Niccoli ihn vonPetrarca und Boccaccio überkommen^).

Man sollte erwarten, daß unter einem Freunde der Wissenschaftwie Papst Nicolaus die Universität in Rom einen Aufschwunggenommen hätte. Aber gerade hier zeigt sich die Einseitigkeit, derEigensinn seiner Bestrebungen. Was er für das Studio gethan,bleibt trotz dem friedlichen Charakter und der Finanzsülle seinesPontificates selbst hinter dem zurück, was sein Vorgänger Eugen IVgeleistet, obwohl dieser an der Wissenschaft keinen persönlichen Antheilnahm. Daß Nicolaus der Hochschule die Privilegien bestätigte undein Mehr an gewissen städtischen Einkünften zuwies, will wenigsagen. Er wird hier, wie die meisten Päpste, mit einem gutenVorsatz begonnen haben. Ob der Kanzler der Universität, dessen

9 Vespasiano Vsseovo Viesnss H 1. Dennoch wird man sich die Ver-schleuderung der Bücher nicht allzu schlimm vorstellen dürfen. Noch Platina(Vita Meolai V) bewunderte ihre Pracht: Omitto tot libro» saeros 8no iuWn cle-seriptos, anro st argsnto rscliinitos. Inest inspiesrs bibliottweanr pontilieiaw8na inclrwtria st wnnitiesntia wiritioo anetam.

'9 Nenmont Oslla diblioteea Vatieana a proposito clel lidro: I,a bibliotsoaVatieana llalla sna origins al prsssnts per Dowsnieo Aanslli, Koma 1857im Vrodivio 8tor. Ital. dluova Serie 't. VIII k. I (1858) p. 132 e 8SZ.

Voigt, Humamsmus. L. Aufl. II.